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Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Prof. Dr. Wilhelm Oechsli
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die das TuilerienscliloB in Paris gegen die anstürmendenVolksmassen verteidigte, den Ruhm schweizerischer Treueund Tapferkeit, bis der Mangel an Munition sie zur Wehr-losigkeit verurteilte und der Mordlust des Pariserpôbels preis-gab. Etwa 550 Soldaten und 25 Offiziere fielen teils jenemTage, teils den darauffolgenden Septembermetzeleien zumOpter. Zugleich wurden sâmtliche Scbweizertruppen von derfranzôsischen Nation al vers am ml u n g ohne weiteres fur entlassenerklârt. So zerriB die Révolution in blutiger Weise das Band,das so lange zwisehen der Eidgenossenschift und Frankreichbestanden hatte. Als die Kunde von dem Gemetzel in denTuilerien nach der Schweiz kam, erfüllte Trauer und Zorndie Herzen. Bern schlug vor, jeden Verkehr mit Frankreichabzubrechen und das ganze Yolk unter die Waffen zu rufen,in der Meinung, die Schweiz solle sich dem Kampf der Màchtegegen die Révolution anschlieBen. Allein diese Ansicht drangnicht durch. Die Eidgenossenschaft zog vor, auf ihrer altge-wohnten Neutralitât zu verharren, und ein leidliches Ver-hâltnis stellte sich zwisehen ihr und der neu entstandenen1797 franzôsischen Republik her. Als jedoch im Herbst 1797 aufAnstiften des Générais Bonaparte die gemâfiigten Mit-glieder der franzôsischen Regierung, des sogenannten Di-rektoriums, durch einen Staatsstreich ausgestoBen wurden,anderte diese ihre Gesinnung plotzlich. Das einfluBreichsteMitglied, Reubel, ein ehemaliger Advokat aus dem ElsaB,hegte einen personlichen HaB gegen Bern, weil er dort ein-mal einen ProzeB verloren hatte. Vor allem aber hielt derruhmbedeckte General Bonaparte, schon jetzt das wahreHaupt der franzôsischen Republik, einen Raub- und Unter-jochungszug gegen die Schweiz fur notig. Seit er Italien fürFrankreich erobert hatte, wollte er sich auch der wichtigenAlpenpâsse bemâchtigen, die dorthin durch die Schweiz führten.Dann hoffte er die Geldmittel für seine neuen TJnternehmun-gen, welche ihm die leeren franzôsischen Staatskassen nichtgewahren konnten, in der Schweiz zu finden; waren dochvon den Reichtümem des bernischen Staatsschatzes fabelhafte