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herrschte gânzliche Ratlosigkeit. Um Brunes Forderungenzu genügen, legte der patrizische Rat seine Gewalt niederund iiberliefi die Regierung einer provisoi’ischen Behorde vonStâdtern und Landleuten. Darauf stellte der franzosischeGeneral das weitere Yerlangen, daB man ihm die Stadt über-gebe und die Truppen entlasse. Die Stimmung des Yolkesund das eigene Sckamgefühl hinderten die neue Regierung,diese schmachvolle Forderung ohne Kampf anzunehmen. Nocbstanden 17,000 Mann unter den Waffen. Allein Erlaeli vermochtekeinen Zusammenhang, keine Einheit mehr in dieselben zubringen, da die Offiziere bei den Soldaten keinen Gehorsammehr fanden ; einzelne wurden sogar von ihren eigenen Leutenals vermeintliche Yerrâter erschossen. Und wo blieben denndie Eidgenossen in der Todesnot der Stadt, die einst beiGrandson und Murten ihr Bollwerk gewesen war? Wo bliebensie, als franzosische Soldaten aus Burgund das alte Ruhmes-denkmal der Eidgenossenschaft, das Beinhaus von Murten,auf Brunes Befehl zerstorten ? Ganz begeistert von seinerneugewonnenen Freiheit, vergafi das Schweizervolk, daB einbeutegieriger Feind in seiner Mitte stand. Wo noch eine Re-gierung auf die Mahnungen Berns um Bundeshülfe ihre Leuteaufbieten wollte, weigerten sicb diese, gegen die Franzosenzu marschieren. So brachte die übrige Eidgenossenschaft trotzBundesschwur ganze 4900 Mann aus Zürich, Luzei-n, denWaldstâtten, Glarus und St. Galien auf. Und diese wenigenkamen nicht einmal zum Kampfe! Die neue Regierung vonLuzern gab ihrer Mannschaft den Befehl, in Langentbal stehenzu bleiben, da sie nicht die Hand dazu bieten kônne, einearistokratische Regierung zu verteidigen. Und im letztenAugenblick traten au ch die Hülfsvôlker aus Uri, Schwyz undGlarus, ohne den Feind gesehen zu haben, den Riickzug an,indem sie dem bernischen Kriegsrat wie zum Hohne schrieben,„ihr Sinn und Gedanke sei stets gewesen, mit fester Scliweizer-treue, mit freudiger Aufopferung ailes Blutes ihren lieben Mit-eidgenossen zur Hand und Hülfe zu stehen, wie sie denn bisauf diese Stunde sattsam Beweis davon gegeben hatten ; aber