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- niges, glânzend geschriebenes Bucli über das „Leben Jesu“,worin er nacbzuweisen suohte, dafi die Evangelien nicht alswirkliche Geschichte, sondern als fromme Sagen anzusehenseien. Nun glaubten die liberal en Staatslenker Züricbs, ihrerKirche einen freiern Geist einpflanzen zu kônnen, indem sieStraufi 1839 als Professor der cbristlicben Glaubenslehre andie Hochscbule beriefen. Die Kunde von dieser Ernennungrief alsbald eine ungeheure Aufregung im Kanton hervor.Die Strengglaubigen erblickten in Straufi einen Gottesleugner;in Predigten, Flugschriften und Zeitungen ertônte tausend-fâltig der Ruf, die Religion sei in Gefahr. In allen Gemeindenbildeten sicb Ausschüsse zur Rettung des Glaubens. EinZentralkomitee, spottweise ,, Glaubenskomitee “ genannt, andessen Spitze Hürlimann-Landis, ein angesehener Fabri-kant von Richterswil, stand, leitete die Bewegung. Es riclitetean die Regierung eine Zuschrift, worin es hiefi: „ Straufi darfund soll nicbt kommen!“ und verfafite eine Petiton an denGrofien Rat, worin es im Xarnen des Zürcbervoikes nicht blofidie sof'ortige Zurücknahme der Berufung des Dr. Straufi for-derte, sgndern auch verlangte, daB der Kirche ein grôBererEinfluB auf das Scbulwesen, insbesondere auf die Hochscbuleund das Seminar, gegeben werde. Das Glaubenskomitee lieBdarüber in allen Gemeinden des Kantons abstimmen, als obes die Regierung ware, und 39,000 Bürger, die Mehrheit desVolkes, sprachen sich fur die Pétition aus. Jetzt trat dieRegierung vor dem Sturme einen Schritt zurück. Straufiwurde mit einem Rücktrittsgehalte entlassen, bevor er seineLehrstelle angetreten hatte. Aber das Glaubenskomitee hatteseine Macht kennen lernen und wollte sie zum volligen Sturzedes liberalen Régiments benutzen. Mit allen Mitteln wurdeder Hafi des Volkes gegen die „StrauBen“ geschürt. Plotzlichverbreitete sich das Gerücht, die Regierung gehe damit um,die Hülfe der Kantone des Siebnerkonkordates anzurufen.Da lieB der Pfarrer Hirzel in Pfâffikon am Abend des5. September Sturm lauten. Von Pfâffikon aus verbreitetesich das Geheul der Sturmglocken wahrend der Nacht. in