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blieb als Ehrloser ausgestoßen. Darum gab einst einespartanische Mutter ihrem Sohne, als er in den Kriegzog, den Schild mit den Worten: „Mit ihm oder aufi h m!" d. h. kehre entweder siegend aus der Schlacht mitdeinem Schilde zurück, oder fällst du, so sei es doch nachder tapfersten Gegenwehr, so daß man dich mir ausdeinem geretteten Schilde zurücktragen kann.
Schon die erste Erziehung des jungen Spartanerswies auf seine künftige Bestimmung hin. War ein Kindnicht gesund und stark, so wurde es zum Verhungernausgesetzt; denn die Stadt sollte nur aus starken, wehr-haften Bürgern bestehen. Sonst behielten es die Elternbis zum siebenten Jahre. Ihre ganze Erziehung bezwecktefast einzig Abhärtung des Körpers. Halbnackt liefen dieKleinen umher, halbnackt schliefen sie auf hartem Lagervou Schilf, welchen sie sich, sobald sie laufen konnten,vom Ufer des Eurotas selbst holen mußten. Mit demsiebenten Jahre gehörten die Kinder dem Staate an undkamen unter strenge männliche Aufsicht. Sie wurden ab-gehärtet gegen Hunger und Durst, Hitze und Kälte, jasogar gegen empfindliche Körperschmerzen. Jährlich ein-mal wurden die Knaben öffentlich am Altare der Dianabis auf's Blut gegeißelt. Die Eltern standen dabei undmunterten ihre Kinder auf, muthig bis an's Ende auszu-halten. Weinen war dabei die größte Schande. MancheKnaben sollen unter den Geißelhieben todt hingesunkensein, ohne einen Laut des Schmerzes von sich zu geben.Besonders ehrerbietig mußten die Knaben gegen die Altensein. Auf der Straße hatten sie ihnen auf die Frage:Woher und wohin? augenblicklich Rede zu stehen. In ihrerGesellschaft durften sie durchaus nicht sprechen, es seidenn, daß sie gefragt wurden. Auf Fragen aber, dieman an sie stellte, mußten sie kurz und verständig ant-worten. Noch jetzt nennt man eine kurze, aber vielsagendeAntwort eine lakonische.