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Zunächst ergoß sich der große Völkerstrom über Thracieu.Hernach überschwemmten die wilden Asiaten wie eineSündsluth das nördliche Griechenland. Da war kein Ge-danke an Widerstand; von allen Seiten schickte man ihnenWasser und Erde, die Zeichen der Unterwerfung, frei-willig entgegen. Wohin der Weg führte. Alles mußtefolgen, und die HeereSmassen wuchsen zum Unendlichenheran.
Doch einige Monate später setzte ein Mann, ganzallein, mit verstörtem Gesichte und voll hastiger Eile ineinem armseligen Fischerkahne über denselben Hellespont:es war Terxes, dessen Riesenmacht, beinahe schon beiden Thermopylen durch den Heldenmnth des Leonidasund seiner dreihundert Spartaner und siebenhundert Thes-pier gebrochen, bei der Insel Salamis durch denathenischen Feldherrn Themistokles vollständig vernichtetworden. Während folgende Inschrift den Ruhm derspartanischen Helden der Nachwelt verkündet:
„Wanderer, sag's zu Sparta, daß seinen Gesetzen gehorsam
Wir erschlagen hier liegen l"
ward der Name des stolzen Terxes mit Verachtllng ge-nannt, und sein Uebermuth in der empfindlichsten Weisebestraft. Kurz vor dem Allfang dieser Periode hatten diePerser, ein armes Bergvolk, unter der Führung eineskühnen und klugen Eroberers, die Herrschaft der reichenBieder niedergeworfen, mit einem Schwertstreich die Lyder,die Herren von Kleinasien, besiegt; Babylon und Assy-rien traf dasselbe Schicksal, und an den südlichen Kü-sten des Mittelnreeres ergab sich ihnen das reichsteHandelsvolk der alten Welt, die Phönizier. Selbst reichgeworden, verließ sie der Sieg. Ein kleines Volk stießihre zahllosen Heere mit Schmach zuriick und erniedrigtein Kurzem den Stolz der Perser so sehr, daß sie Gesetzevon ihm annehmen, das Mittelmeer auf seinen Befehlgänzlich verlassen mußten und selbst nicht mehr die Küsten