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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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Nichts. Dabei schlug er einen eigenen Weg ein, seineLehre einem Andern recht faßlich beizubringen. Er ließsich mit ihm über den bestimmten Gegenstand in ein Ge-spräch ein, bis durch wechselseitiges Fragen und Antwortendie Wahrheit des Einen und die Ungereimtheit des Andernklar in die Augen sprang. So belehrte er einst den jungenAlcibiades, als dieser große Schüchternheit verrieth, künftigvor dem Volke als Redner aufzutreten, folgender Art:„Würdest Tn Dich wohl fürchten, vor einem Schuster zureden?" — „O nein!" — „Oder könnte Dich ein Kupfer-schmied verlegen machen?" — „Nicht im Geringsten!" —„Aber vor einem Kaufmann würdest Du doch erschrecken?" —„Eben so wenig!" — „Nun siehe," fuhr Sakrales fort,„aus solchen Leuten besteht ja das athenische Volk. Dufürchtest den Einzelnen nicht, warum wolltest Du sie ver-sammelt fürchten?"

Seine Schüler hingen mit ganzer Seele an ihm; sieverließen sogar ihre Lustbarkeiten, um bei ihrem theureuLehrer zu sein. Antisthenes ging täglich eine halbeMeile weit nach der Stadt, den Sokrates zu hören. Einanderer wißbegieriger Jüngling, Euklid es, kam sehroft von Megara, vier Meilen weit, um nur einen Tagbei ihm zu sein. Und als die Athener, aus Haß gegendie Megarer, diesen unter Todesstrafe verboten, in ihreStadt zukommen, wagte es dennoch Euklides, sich desAbends in Weiberkleidung, auch mit Gefahr seines eigenenLebens, durch's Thor zu schleichen, um den Sokrates zubesuchen und von ihm unterrichtet zu werden. So hatteder große Lehrer täglich einen Kreis wißbegieriger Jüng-linge um sich versammelt, aus denen später die berühm-testen Männer wurden. Der Ruhm deS Sokrates ver-breitete sich so weit, daß die Priester zu Delphi ihn fürden „weisesten der Menschen" erklärten.

Es war vorauszusehen, daß Sokrates sich durch seineausgezeichnete Weisheit und Tugend bei dem großen Haufen