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Wohl ist die Siebenhügelstadt längst untergegangen.Die einst dicht bevölkerten Hügel des Cölius und Aveu-tin, sowie ein Theil des Esqnilinus stehen heute fastverödet da, und der Palatin, der einst so stolze, vonMarmor und Gold strahlende Schauplatz kaiserlicher Prunk-bauten, ist in Trümmer gesunken. Bei jedem Schrittsstoßen wir auf die Denkmale jener längst entschwundenenJahrhunderte So großartig jedoch die Reste des altenRom sind, so geben sie dennoch kaum Anhaltspunkle ge-nug, um sich aus ihnen allein ein Bild der Herrlichkeitder alten Königin unter den Städten zusammenzufügen.An anderthalbtausend Jahre sind es, seitdeni der Verfallder alten Stadt begonnen, welche einstens über den Erd-kreis gebot, und von dort an haben nicht nur Feuer undSchwert siegreicher Feinde, sonderir auch die Zeiten desFriedens das Ihrige dazu gethan, den äußern Anblick deralten Stadt völlig zu verwische». An die Stellt: des altenRom ist ein neues getreten, das vorzugsweise auf demJaniknlns thront; das heidnische Rom machte demchristlichen Platz, denn Rom wird sein und bleiben,für was es schon die alte Welt, wenn auch mit falscherSelbstüberhebung, ausgegeben: die ewige Stadt.
XV. Veturia, die Retterin Rom's. Cornclia, die Mutterder Gracchen.
Es gab in Rom anfänglich Patricier (Altbürger) undPlebejer (Neubürger). Diese lagen zweihundert Jahrelang mit einander im Kampfe um die Gleichheit der Rechte,bis endlich im Jahre 300 v. Chr. jegliche Scheidewandsiel, welche die ehrwürdigen Stände so lange von einandergetrennt hatte. In diesem langen Kampfe hatte einst derjunge Patricier Coriolan durch seine schnöde Behand-lung der Plebejer ihren schweren Zorn erregt. Er wollteihnen bei einer Hungersnoth nur unter der BedingungGetreide geben, daß sie ihre Tribunen wieder abschafften,