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zwingbaren Hasse gegen die Christen erfüllt und erregtenhäufig gefährliche Ausstände. Zur Auffindung und Bestrafungdieser Aufwiegler wurde daher ein Glaubensgericht — diespanische Inquisition — eingesetzt,.welches einen reinpolitischen Charakter hatte. Die Päpste gaben sich grosseMühe, die Statuten der Inquisition zu mildern, und setztenes zuletzt durch, dass man von der Inquisition an sie appel-liren durfte:
Von der spanischen Inquisition ist ganz verschieden diek fröhliche Inquisition, die auf der Synode zu Toulousezu einem eigentlichen Gerichtshöfe erhoben wurde (1229).Hatte die Inquisition Jemanden als der Häresie schuldig er-funden, so übergab sie den Schuldigen dem Arm des welt-lichen Gerichtes mit der stehenden Formel: dass manseiner schone und ihm das Leben nicht raube.
Wer sollte es nicht bedauern, dass man gegen nie Un-und Irrgläubigen sehr oft zu strenge verfuhr ? Darin aber sindebenfalls Alle einig, dass der Staat in seiner damaligen engenVerbindung mit der Kirche keinen Abfall von derselben dul-den, keine neue Religion einführen lassen durfte, dass jederVersuch dieser Art ein Angriff auf die bestehende gesellschaft-liche Ordnung war. Jede häretische Lehre, die im Mittelalterhervorbrach, hatte einen revolutionären Charakter, d. h. siemusste in dem Masse, als sie zur Herrschaft gelangte, eineAuflösung des bestehenden Staatswesens, eine politische undsociale Umwälzung herbeiführen. Daher musste der Staatdie Irrlehrer bestrafen. Die Anklage wegen allzugrosserStrenge aber gehört zu denjenigen, die, wie Graf de Maistretreffend bemerkt, entweder dem ganzen Menschengeschlechteoder Niemanden zum Vorwürfe zu machen sind; denn diedamalige Zeit besass eben im Allgemeinen ein viel schärferesStrafrecht als die gegenwärtige.
Von Spanien aus wurde auch der neue Welttheil Ame-rika entdeckt (1492). Schon vorher hatten die Portugiesen,unter dem Prinzen Heinrich dem Seefahrer, die In-seln Madeira, die Azoren und das grüne Vorgebirge entdeckt;Bartholomäus Diaz fand die Südspitze von Afrika undnannte sie „Vorgebirge der guten Hoffnung“, da man nun