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fug in der Wurzel zu vernichte», sprach der Papst deu Für-sten das Recht der Investitur ab. Fortan sollten die Dienerder Kirche ihre Erhebung einzig dem römischen Stuhleverdanken. Hiergegen erhob sich ein gewaltiger Wider-spruch der Fürsten.
Ebenso war die uralte kirchliche Vorschrift über dieEhelosigkeit der Geistlichen in vielen Gegenden in Ver-gessenheit gekommen. Daher schärfte Gregor dieses Gebotdes Cölibates den Priestern wieder ein, damit sie frei vonallen Banden der Welt sich ganz dem Dienste Gottes unddem Heile der Seelen widmen.
Durch Hebung dieser traurigen Mißbrauche mußte dieKirche die wahre Freiheit wieder gewinnen. Ist ja dieKirche Gottes die einzige und höchste Heilsanstalt zur Rettungder Menschheit. Daher muß sie Alle, Fürsten und Völker,umfassen, Alle müssen ihr in geistlichen Dingen Unterthansein. Der Staat darf nicht in die Rechte der Kirche eingreifen.
Deshalb ist es nicht zu verwundern, wen» sich zwi-schen Gregor und Heinrich ein heftiger Kampf ent-spann. Heinrich IV., dessen Leidenschaften, in der Jugendvon keinem weisen und frommen Lehrer gezügelt, zu einertraurigen Höhe heranreiften, vergab ganz nach Gutdünkenkirchliche Aemter und Stellen. Zuerst mahnte der Papstden König mit Liebe und Ernst an das, was das Wohlder Kirche wie die Würde königlicher Majestät erheische.Die liebevollen Worte des Papstes verfehlten in der erstenZeit ihre Wirkung auf das Herz des Königs nicht. Oftversicherte er den Papst seiner Liebe und Ergebenheit,gestand seine schweren Vergehen und versprach Besserung.So ging die Sache zwei Jahre lang. Aber der König,statt sich zu bessern, wurde immer schlimmer, so daß dieKlagen des unterdrückten und mißhandelten Volkes beimPapste sich häuften, die zügellose Willkür und schamloseSimonie bei Besetzung von Bisthümern und Abteien auf'säußerste getrieben wurden.