Da endlich ließ der Papst 1076 durch seine Gesandtenden König auffordern, am Montag der zweiten Fastemvocheauf der großen Synode in Rom zur Verantwortung sicheinzufinden, weil er wegen schwerer und zahlreicher Ver-brechen angeklagt sei. Heinrich aber beschloß dem Papstezuvorzukommen und schritt zu unerhörter Gewaltthat. Inaller Eile berief er die Bischöfe und Aebte des deutschenReiches nach Worms, um den Papst abzusetzen. Da zeigtees sich recht augenfällig, was für Männer in diesem Landedurch Simonie und königliche Willkür auf die bischöffichenSitze gelangt waren. Ein abgesetzter Cardinal trat alsAnkläger des Papstes auf und verlas eine Schrift vollder gröbsten Schmähungen und Klagen gegen denselben.Die Versamnilung erklärte ohne Weiteres den PapstGregor für abgesetzt. Da wurde in einer großen Ver-sammlung von 110 Bischöfen zu Rom vom Papste dieExcomniunication (der Bann) über den König ausgespro-chen. Hiedurch ward dem König das weitere Regierensehr erschwert, ja unmöglich gemacht, da kein Gläubigermit einem Excommunicirten unigehen durfte. Ebensoexcommunicirte der Papst neben andern den BischofWilhelm von Utrecht, des Königs schlimmsten Rath-geber. Dieser spottete über den Spruch des Stellver-treters Christi. Aber die strafende Hand Gottes ereilteschnell den Frevler: der Bischof starb kurz darauf in Ver-zweiffung.
Dem König selbst wurde es uach und nach doch bange.Er eilte zum Papste nach Canossa, um sich mit derKirche auszusöhnen. Die Bußübungen waren damals weitstrenger als heute. Im einsamen Schloßhofe zu Canossaweilte der König drei Tage im wollenen Bußkleide, dasüber den andern Kleidern getragen wurde, ohne sich biszum Abend mit Speis und Trank zu laben, und harrteder Lossprechung. Alle andern Zuthaten jedoch : als obder König drei Tage und drei Nächte, ohne Obdach