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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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schwang sich vor allen Antwerpen zu einer fast un-glaublichen Höhe empor. In dem Hafen desselben sahtiwtt oft über zwölfhundert Schiffe. Kein Tag verging,an dem nicht fünfhundert Schiffe ein- und ansliefen; anden Markttagen stieg diese Anzahl auf acht- bis neunhundert.Täglich fuhren in der Regel zweihundert Kutschen durchdie Thore der Stadt. Ueber zweitausend Frachtwagenund zehntausend Banernkarren kamen wöchentlich ausFrankreich, Deutschland und Lothringen. Der Reichthum,welcher auf diese Art in die Städte floß, erhöhte derBürger Selbstgefühl und weckte bei ihnen das Strebennach immer größerer Freiheit und Unabhängigkeit. VieleStädte erkannten nur mehr den Kaiser als ihren Ober-herrn an und hießen daher freie Reichsstädte. Diefreien Verfassungen der meisten städtischen Gemeindenweckten vaterländischen Sinn und Bürgertugend, so daßdie Städte allmälig der Sitz der Kraft, der Bildung undeines gesitteten Lebens wurden. Die Rathhäuser, die go-thischen Domkirchen und die mit Erkern versehenen Wohn-häuser der meisten deutschen Städte zeugen heute nochvon dem Wohlstände und der Bildung der damaligenBürger, die nicht bloß mit den Erzeugnissen ihrer eigenenGewerbthätigkeit, sondern auch mit denen fremder Länderausgedehnten Handel trieben. Die Stadt Nürnberg wardamals so reich und schön, daß dort ein mittelmäßigerBürger besser wohnte, als in Schottland ein König; dieStadt D a n z i g so mächtig, daß ihr Biirgermeisterselbst dem Könige Christoph von Dänemark den Kriegerklärte; das gewerbthätige Au gsburg so blühend, daßes für die reichste Stadt der gangen Welt galt, und KaiserMaximilian I. und Karl v. von dem Leinenweber Fuggerin Augsburg Geld sich borgten.

Sogar auf die Entwickelung der Dichtkunst hattendie Kreuzzüge den wirksamsten Einfluß. In bet» fernenMorgenlande wurde der Kreuzfahrer durch die seltsamsten