195
zelten, wie denn auch im Liede selbst mehr als eine glän-zende Festfeier geschildert wird.
Weltberühmt und viel besungen ist die Hochzeit, dieim November 1475 der reiche Herzog Ludwig vonLandshut seinem einzigen Sohne Georg daselbst ver-anstaltete, da dieser die achtzehnjährige Hedwig, dieTochter des Polenkönigs Kasimir III., heimführte. KaiserFriedrich III. und sein Sohn, mit vielen andern fürstli-chen Personen, Grafen, Aebten und Bischöfen waren zumFeste erschienen; die Anzahl der fremden Pferde vor undin der Stadt betrug neuntausend." Bei der Tafel wurdeeine Riesenpastete aufgetragen, in der singende Knabensaßen.
Am 15. November gab der Erzbischof von Salzburgdas fürstliche Paar in der Martinskirche zusammen. Dererst zwanzig Jahre zählende Bräutigam trug eine Schaubevon Silberstoff; um seinen Hut war eine Schnur vonEdelsteinen und Perlen geschlungen, deren Werth Kun-dige auf 100,000 Gulden schätzten. Die Braut, von demKaiser und dem Pfalzgraf Otto geführt, war in einenauf polnische Art geschnittenen, reich mit Perlen gestick-ten, rothen Atlasrock mit langen und weiten Aermelngekleidet, das Haar in einen einzigen, hinten herab-hängenden Zopf geschlungen, mit Perlen durchflochten undmit einer Perlenkrone bedeckt. Elfhundert Trompeter undZinkenisten begleiteten den Zug; hundert musizirten inder Kirche. Vierzig Edelleute in des Bräutigams Farben,halb granatbraun, halb perlgrau, schritten mit Wind-lichtern der Braut voran, und tausend rothgekleideteTrabanten des Herzogs nebst den Ziinften in ihrem Waf-fenschmuck bildeten Spalier.
Die durch Handel reich gewordenen Bürger der Städteahmten die Ritter in diesem verschwenderischen Luxusgetreulich nach. So berichtet Hans von Schweinichen (al-lerdings aus der nachmittelalterlichen Zeit) von einem