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te» die Gegner desselben alle Missbräuche, welche früherbei ähnlichen Veranlassungen eingelassen waren, auch dendamaligen Verwundern zur Last zu schieben. Am hef-tigsten erhob sich Martin Luther, ein Augustinermönchund damals Prediger an der Schlosskirche zu Wittenberg,gegen das Ablasspredigen. Am 31. October 1317 schluger fünfundneunzig auf den Ablass bezügliche Sätze an derSchlosskirche an, alle Gelehrten auffordernd, dieselben ineiner öffentlichen Disputation zu prüfen. Da wurde Luthervor die päpstlichen Legaten Cajetan und Karl von Miltizgeladen. Aber die Bemühungen dieser beiden, Luther zumWiderruf zu bewegen, blieben erfolglos; ebenso eine Dispu-tation zu Leipzig, welche der gelehrte Dr. Eck siegreichgegen Luther und dessen Freund Karlstadt führte. Hierauferliess der Papst eine Bulle, worin einundvierzig Sätze Luthersals irrig verurtheilt waren, und er selbst im Falle hart-näckigen Verbarrens im Irrthum als Ketzer erklärt wurde.Luther war zu stolz, um wieder umzukehren; er verbrannteam 10. December 1320 die päpstliche , Bulle undtrennte sich durch diesen verhängnisvollen Schrittvollständig von der Kirche. — Unterdessen wurde 1519
Karl V. (s. Bild XL1V) zum deutschen König gewählt.Dieser grosse Regent, treu dem Glauben seiner Vater, schriebsogleich einen Reichstag nach Worms aus, um die kirch-lichen Streitigkeiten beizulegen. Luther, sich fortwährend aufseine eigene Auslegung der Bibel berufend, verharrte aufseiner Lehre und zog sich, von Karl V. in die Reichs-acht erklärt, auf die Wartburg bei Eisenach zurück, wo erunter dem Namen Junker Jörg zehn Monate verborgenlebte, aufmunternde Briefe an seine Freunde schrieb und dieBibel übersetzte.
Seine Anhänger legten aber die Bibel wiederum ganzanders aus als Luther. Karlstadt zerstörte, auf die Bibel ge-stützt, mit einem rohen Haufen in Wittenberg Altäre undBilder; die Bauern in Franken, Schwaben und Thüringenverlangten im Namen der Bibel auch bürgerliche Frei-heit, die ihnen durch die selbstsüchtigen Fürsten entrissenworden war, und bezeichneten ihren Gang mit Zerstörung,