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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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läufe und Petitionen an die damalige Statthalterin Marga-ret ha von Parma. Da sandte Philipp seinen ergrautenFeldherrn, Herzog Alba, dahin, der die llauptanführer ent-haupten liess. Und weil Alba zudem wegen der Geldnoth Phi-lipps eine harte Steuer auferlegte, so verbanden sich nundie Niederländer unter Anführung Wilhelms von Ura-nien, bekämpften die Spanier und kündeten 1381 der spani-schen Regierung allen Gehorsam auf. Selbst die KöniginElisabeth von England hatte den Empörern Hilfe gesendet.Da erbaute Philipp eine ungeheure Flotte, die unüberwind-liche Armada genannt, um England und Holland zugleichniederzuwerfen; aber Stürme zerstörten die Flotte. Der Kriegdauerte fort, und erst im westfälischen Frieden wurde die Unab-hängigkeit der Niederlande auch von Spanien anerkannt.

Dafür wurde unter Philipp Portugal mit Spanien ver-bunden und blieb es von 13801640, wo die Portugiesenden Herzog Johann von Braganza zum Könige wählten.Grossen Kummer erlebte Philipp an seinem Sohne Don Car-los, der, schwächlich und heimtückisch, aus verletztem Ehr-geize oder wahnsinniger Wuth dem Herzog Alba und sogarseinem Vater nach dem Leben strebte. Desshalb wurde ergefangen gehalten und starb, 23 Jahre alt, an der Tobsucht.(Schillers Don Carlos ist reine Erfindung.)

Unter den Nachfolgern Philipp gingen die herrlichstenüberseeischen Besitzungen verloren; nach Karl II. Tod brachsogar ein Erbfolgekrieg (17001714) aus. Da Karl kin-derlos starb, machten auf den spanischen Thron Ansprüche:

1. Ludwig XIV. von Frankreich, mit Karl II. ältererSchwester vermählt, die auf den Thron verzichtet hatte.Ludwig wollte ihn für seinen Enkel Philipp von Anjou.

2. Kaiser Leopold von Deutschland, vermählt mit Karl II,jüngerer Schwester, die auf den Thron nicht verzichtet hatte.

3. Kurfürst Maximilian Emanuel von Bayern, der mitder einzigen Tochter Leopolds von dieser spanischen Prin-zessin vermählt war.

Nach Karls Tode hiess es: er habe Philipp von An-jou als Thronerben eingesetzt. Dieses Testament wurde alsunterschoben erklärt, und es kam zum Kriege.