B. Dilcler aus der neuern Gesckickte.
XLIII. Karl Borromäus.
Es ist nicht zu läugnen, daß zur Zeit der Glaubens-spaltung große Mißbrauche in der Kirche Eingang ge-funden hatten. Mau war besonders unzufrieden über dieVerhängung kirchlicher Strafen, über die häufigen undgroßen Geldsendungen nach Rom. Der Geiz, der tiefsteGrundfehler der Zeit, offenbarte sich auch innerhalb derGeistlichkeit aller Grade und Ordnungen in der Sucht,die kirchlicheil Einkünfte, Taxeil und Spötteln nach Mög-lichkeit zu erhöhen. Hauptsächlich kamen die Mißständeunter der Geistlichkeit daher, daß einflußreiche Familienim geistlichen Stande für ihre nachgebornen Söhne eineVersorgilngsanstalt suchten. Ganz besonders aber hattenGeiz und Selbstsucht in den Herzen der Fürsten Platz ge-griffen. Sie bezahlten keine Reichssteuer mehr; sie trugennichts mehr zum Reichsheere bei; das christlich germa-nische Recht mußte einem fremden Rechte weichen, nachwelchem die Fürsten alle Macht in der unabhängigstenWeise in sich vereinigten und das Volk durch knechtischeLeibeigenschaft drückten. Hierin haben wir vorzüglich denGrund für die damalige steigernde Unzufriedenheit imVolke, die zahlreichen Bauernaufstände, den großen Um-sturz in allen Verhältnissen und den traurigen Abfall zusuchen. Der Ablaß war nur die äußere Veran-lassung zu dem großen Abfalle des sechzehntenJahrhunderts.
Der Ruf nach Verbesserilng der Kirche in ihrem Haupteund in ihren Gliedern war daher schon lange gehörtworden. Selbst heilige Männer hatten vor und nachLuther diesen Ruf mit lauter Stimme erhoben. Alleinsollte diese Verbesserung wirklich gelingen, so mußte sie