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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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reidjeit Schloßgeräthschaften und herrschaftlichen Wagenwurden verkauft und der Erlös für die Armen verwendet,die überflüssigen Einkünfte an dürftige Pfarrkirchen undan wohlthätige Anstalten verschenkt So gestaltete er fürsich und um sich ein wahrhaft apostolisches Leben: beinahehundert Priester vereinigte er in seinem Palaste; jedeStunde war für Gebet, Studium und Lektiire geregelt!das Mittagsmahl wurde gemeinschaftlich genossen, undso die erzbischöfliche Wohnung in ein geistliches Conviktumgewandelt, aus dem in kurzer Zeit ein Cardinal undzwanzig Bischöfe hervorgingen.

Nachdem der Erzbischof die Reform in seinen! eigenenHause durchgeführt, begann er sie beim Clerus. VorAllem drang er hier auf Reinheit der Sitten, wissen-schaftliche Bildung und erbaulichen Cultus. Die fleißigeVerkündigung des göttlichen Wortes machte er allen Geist-liche» zur unerläßlichen Pflicht, dem Gottesdienst gab erseinen ersten Glanz und der Kirchenmusik ihren majestäti-schen, andachterregenden Charakter wieder. Auch dieReform der Klöster machte er sich zur heiligen Aufgabe,und seinem anhaltenden Eifer, seiner Festigkeit, Weisheitund Geduld gelang es, ein glückliches Resultat herbeizu-führen, indem er nicht nur die alten Orden erneuerte,sondern neue, den Zeitbedürfnissen entsprechende, einführte.

Um den Geist des Clerus fort und fort zu bethätigenund ein gutes Saatkorn in die Furche der Zukunft zulegen, stiftete Karl sechs Seminare und mehrere Bildnngs-anstalten. Oeftcrs durchreisete er das Erzbisthum, um miteigenen Augen die religiösen Verhältnisse seiner Diöcesekennen zu lernen und zu überwachen. Das Beispiel desCardinals war, wie sonst überhaupt, so auch auf denVisitationen, der mächtigste Hebel der Reform. Er achtetbei diesen Wanderungen nicht der größten Unannehmlich-keiten und Opfer. Seine Begleitung und Ausriistungbesteht in dem Unentbehrlichsten. Oft muß er gefährliche