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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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neben dem Hierouymiterkloster St. Inst, welches in derProvinz Estremadnra unter einem milden, heiteren Him-mel zwischen sanft aufsteigenden Hügeln, wohlbewäs-serten Wiesen, schattigen Bäumen und anmuthigen Gärtenlieblich gelegen ist. Hier lebte er zwei Jahre lang intiefster Einsamkeit und theilte seine Zeit zwischen frommenAndachtsübungen und einigen Erholungen. Letztere be-standen größtentheils in Verfertigung künstlicher Ma-schinen, für welche er von jeher Vorliebe bezeigte unddie er so geschickt verfertigte, daß er sich bei manchen un-wissenden Menschen der Umgegend den Ruf eines Schwarz-künstlers zuzog. Vorzüglich aber beschäftigte sich seineSeele mit dem Gedanken des Todes, den er bei seinengänzlich geschwächten Kräften nicht mehr ferne glaubte.Um sich noch vertrauter mit demselben zu machen, soller sogar sein eigenes Begräbniß gefeiert haben, gleichwieauch sein Großvater Maximilian seinen Sarg vier Jahremit sich herumgeführt hatte. In der Klosterkirche heißtes wurde ein Trauergerüst errichtet, die Kirche selbstschwarz ausgeschlageu. Seine Diener gingen paarweise ineineni Leichenzuge, mit schwarzen Fackeln in der Hand,voraus. Er selbst folgte in seinem Todtengewaude. Dannlegte er sich in den für ihn bereiteten Sarg, währenddie Mönche unter Begleitung einer Tcanermusik die üb-lichen Todtengesänge und Gebete verrichteten. Allein diesesVorspiel ging bald in Wirklichkeit über. Schon am nächstenTage nach der Ceremonie wurde er von einem hitzigenFieber befallen, welches bald seinem Leben ein Endemachte. Er starb 1658, acht und fünfzig Jahre alt. Unterkeinem Kaiser weder vor noch nach ihm stand das HausOesterreich auf einer so hohen Stufe der Macht und desAnsehens.

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