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XLV. Die Wiedertäufer.
Zu welchen Verirrrungen die neue Lehre Luthersdas Volk hinriß, beweist außer den Bauernkriegen vorallem die Sekte der Wiedertäufer. Au ihrer Spitzestand Thomas Münzer. Dieser schwärmerische Mann,der früher Weltpriester zu Zwickau gewesen, aber wegenseiner aufrührerischen Lehren von dort vertrieben wordenwar, rühmte sich besonderer Offenbarungen Gottes, durchwelche ihm das Wesen der christlichen Freiheit weit klarergeworden sei, als Luther sie kenne und lehre. Nach diesenvorgeblichen Offenbarungen sollte jetzt ein ganz neueschristliches Reich gestiftet werden, in welchem völlige Gleich-heit herrsche und alle Gitter gemeinschaftlich seien. Indem neuen Reiche bedürfe es nicht der Fürsten, der Ob-rigkeit, des Adels, der Geistlichkeit; auch der Unterschiedzwischen Reichen und Armen sei ein höchst unchristlicher.Zugleich verwarf er Alles, was er nicht mit klaren Wortenin der hl. Schrift ausgesprochen fand, schaffte deßhalbdie Kindertaufe ab und lehrte die Nothwendigkeit derWiedertaufe für die Erwachsenen. Daher hießen seineAnhänger Wiedertäufer (Anabaptisten).
In jener unruhigen, vielfach bewegten Zeit, wo jedeNeuerung hastig aufgegriffen wurde, mußte eine solcheLehre sich leichten Eingang verschaffen, besonders beidem gemeinen Volkshaufen, dem dieselbe so ansehnlicheVortheile zusicherte. Unter der Anführung Münzers zogendie entfesselten Schaaren von Stadt zu Stadt, von Dorfzu Dorf, um jenes abenteuerliche Reich zu verbreiten.Verwüstung bezeichnete ihren Weg. Die blühendsten undvolkreichsten Landschaften wurden Einöden voll rauchen-der Trümmer. Da griffen die Fürsten zum Schwerteund schlugen den Aufstand in der Schlacht bei Franken-hansen (1525) nieder.
Aber die Sekte erstand bald darauf in noch verhäng-