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nißvollerer Gestalt in der Stadt M tt n ste r in Westfalen, woschon seit mehreren Jahren eine sehr feindliche Stimmunggegen die weltliche Obergemalt des Bischofs herrschte.Die damals in den meisten größeren Städten rege ge-wordene Sehnsucht nach völliger Freiheit und Unab-hängigkeit regte sich auch hier und gab zu lärmendenAuftritten Veranlassung. Der Bischof verließ die Stadt.Die Parteiwuth wurde noch größer, als ein Prediger,Bernhard Nothmann, lutherische Grundsätze zum Vor-trage brachte und für diese einen großen Anhang ge-wann. Deßhalb seiner Stelle entsetzt und des Landesverwiesen, veranlaßte er mit seinen: Anhange einen ähn-lichen Sturm gegen den Katholicismus in Mlinster, wiefrüher Luthers Freund, Karlstadt, in Wittenberg.
Da kamen die Wiedertäufer, welche vorzüglich in denbenachbarten Niederlanden ihr Wesen trieben, nach Münster.Das betrübende Bild, welches die durch innere Par-teiungen zerrissene Stadt darbot, hatte die Sehnsucht»ach einem besseren Zustande der Dinge rege gemacht.Und nun predigten die Wiedertäufer ihre schwärme-rischen Grundsätze von einem neu aufzurichtendenReiche Christi, in welchem völlige Gleichheitherrsche. Das trügerische Zauberbild zog die Gemütherder aufgeregten und Neuerungssüchtigen Menge an. Vieleließen sich durch den abermaligen Empfang der Taufezu Bürgern dieses neuen Reiches einweihen; auch Roth-mann schloß sich an die Wiedertäufer.
Zwei der Verworfensten unter den Wiedertäufernwaren Johann Bockelsohn, Johann von Leydengenannt, und Matthisen, ein Bäcker aus Harlem. Ver-gebens ermähnte und drohte der Bischof; vergebens wur-den Maßregeln gegen die immer weiter um sich greifendeSekte getroffen; jeder Widerstand schien die Zahl derAnhänger nur zu verinehren.
Eines Tages erhob sich in Münster plötzlich ein Lärm,