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Anblicke des Sohnes und wendet ihr Auge den Seligen zu,um sich an ihnen aufzurichten. Neben Christus und Mariathronen heilige Vater, Apostel, Propheten; Märtyrer zeigendie Marterwerkzeuge. Unter Christus stoßen Engel in diePosaunen und verkünden den Gerichtstag. Die Todtenerstehen, aber zum Theil noch wie gefesselt von derSchwere irdischer Natur. Die Seligen steigen empor; jehöher sie sind, um so freier scheinen sie zu athmen. Elternumarmen ihre Kinder, Freunde ihre Freunde. Schrecklichist der Anblick der Verdammten! Michel-Angelo hat nochmehr Anlage zur Darstellung des Schrecklichen, als zuderjenigen himmlischer Wonne; diese Anlage zeigen dieriesige Größe und die gewaltige Kraftfülle in den Gruppender Verdammten oder Verworfenen. Die ganze Stufen-leiter schrecklicher Gefühle: Befangenheit, Angst, Entsetzen,Grimm, Verzweiflung, — aber alle in einer gewissenGroßartigkeit — treten uns da entgegen. Unvergeßlichist jedem der Anblick des Bildes; ein inneres Entsetzen,ein Schrecken über die Furchtbarkeit des Gerichtes wehetden Beschauer au.
Daneben war dieser große Geist dienstfertig wie einKind; im Leben hin und wieder zornmüthig, nie aberrachsüchtig; bescheiden in seinen Sitten, verständig imSprechen; seine Antworten waren meist sinnreich undscharf. Er ivar sehr mäßig, nahm in der Jugend mit einwenig Brod lind Wein vorlieb, und lebte gleich einemArmen, obschou er reich war; wegen seiner Mäßigkeitbedurfte er wenig Schlaf. In der Stille liebte er Armenzu Hilfe zu kommen. Als sein Diener krank war, pflegteer ihn während der Nacht selber, als ob es sein Brudergewesen wäre. Michel-Angelo starb am 17. Febr. 1564.
Nicht minder stockt die Sprache, wenn es gilt, Ra-phael zu schildern. Naphael's Geburtsstätte ist Urbino.Sein Vater Giovanni Santi, ein Maler nicht ohne Ge-schick, und seine Mutter Magia Carla starben früh. Ei»