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Petruskirche in Köln die Kreuzigung Petri: dassind seine berühmtesten Stücke. Auch in Paris und Lon-don mußte er arbeiten. Karl I. von England schlug ihnzum Ritter und behandelte ihn als seinen Freund. Ungeach-tet seines Reichthums, lebte Rubens außerordentlich mäßig,war sehr fromm und ging fast täglich aus, um Nothlei-denden Unterstützung in's Haus zu tragen. In den letztenJahren seines Lebens litt er an Gicht; seine Hände zit-terten, er konnte nichts Großes mehr malen. Er erreichte63 Jahre und wurde zu Antwerpen mit großer Prachtbegraben.
Die ganze Zeit des sechzehnten Jahrhunderts ist ver-klärt durch die höchste Bliithe der Kunst. Es ist eine Zeitdes künstlerischen Schaffens, ähnlich dem Zeitalter desPerikles, und wie auf diesem, so ruht auch hier aus allenSchöpfungen der Schimmer einer unvergänglichen Jugend:sie begeisterten jene Zeit, sie begeistern die Gegenwart.Der Herd aller damaligen Kunst aber ist diekatholische Kirche; die größten Künstler sindihre getreuesten Söhne. Die Kirche hat denKünstler mit den erhabensten Ideen erfüllt und zu dengroßartigsten Schöpfungen begeistert; der Kirche gebührtder unsterbliche Ruhm, von jeher und überall Künsteund Wissenschaften in Schutz genommen und gefördertzu haben. Hätten wir uns nicht auf den Kreis dessechzehnten Jahrhunderts beschränkt, so würden mir inden Kranz italienischer Maler noch einen Fra Gio-vanni da Fiesole eingereiht haben, den größtenMeister gemüthvoller Auffassung, der ob seines engel-reinen Lebens vom Papste den Namen Beato erhielt.Nie hat er den Pinsel in die Hand genommen, ohnevorher gebetet zu haben; nie hat er ein Kruzifix ge-malt, ohne daß ihm die Thränen über die Wangenrollten. Alle seine Bilder tragen das Gepräge des Ueber-irdischen; seine Engel und Heiligen sind so schön, als ob