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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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Vricfe lesen kann. Erst um 10 Uhr Nachts sinkt dieGluth zusammen und eine der reichsten Städte ist nichtniehr! 20,000 Menschen, Einwohner wie Sieger, sindumgekommen, 6 Kirchen, das Rathhaus, die Spitäler,viele Prachtbauten, 1500 Häuser sind verbrannt. Nurder Dom wurde durch die Fürsorge Tilly's gerettet, sowiedie Klöster der Ursulinerinnen und der Augustiner.

Am Morgen des 22. Mai betrat der tief erschütterteFeldherr die Stadt. Er ließ die Thüren der Domkircheöffnen, schenkte allen Geretteten die Freiheit und verfuhrwie ein Vater gegen die noch übriggebliebenen Bürger.Zwei Tage nachher ward in der Domkirche zur Dank-sagung für den errungenen Sieg ein feierliches Hochamtgehalten. Zugleich ließ Tilly eine Schrift ausgehen,worin er mit der schlichten Sprache eines guten Gewis-sens berichtet, wie väterlich treu und wohlmeinend er dieStadt vor ihrem Unglück gewarnt, wie wenig aber sol-ches gefruchtet habe. Er meldet mit Verwundern und Be-dauern, wie noch während des Sturmes eine solche Feu-ersbrunst ansgebrochen, daß man sie nicht auslöschenkonnte, und mahnt endlich alle Deutschen, treu bei ihremKaiser, als der von Gott gesetzten Obrigkeit, zu beharren.

Das ist der wahre Hergang der Zerstörung Magde-burgs; er beweist, daß der edle Tilly, den man dafürverantwortlich gemacht,' an der Zerstörung der unglück-lichen Stadt keine Schuld getragen. Fleckenlos steht dergreise Feldherr da; die Thränen, die er beim Anblickeder brennenden Stadt vergoß, sind der wahre Ausdruckseiner Gesinnung, und die Stimme, welche Tilly denUrheber des Brandes nannte, ward längst von seinenunparteiischen Zeitgenossen widerlegt. Das Bild, daswir vorhin von dem großen Tilly gezeichnet, erhält durchdie richtige Darlegung dieser Thatsache nur um so schö-neren Glanz.