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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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füllte er für die Angelegenheit des Königs gewonnenwerden; seine eigene inniggeliebte Tochter Margaret!)abegab sich zu ihm. Allein Thomas Morus blieb uner-schütterlich wie ein Held. Ueber ein Jahr saß er ge-fangen, da suchte nlau ihn des Hochverrathes anzuklagen.Er sollte den Supremat anerkennen, jene Anordnung,wodurch der König zum Oberhaupte der englischen Kircheerklärt wurde. Er weigerte sich standhaft. Zugleich legteman ihm fälschlich zur Last, er habe die Aeußerung ge-than: das Parlament könne den König nicht zum Kirchen-oberhaupte erheben. Man machte ihm deßhalb den Pro-ceß anf Hochverrath.

Durch die volkreichsten Straßen der Stadt ward Morusam 1. Juli 1535 vor die Schranken desselben Gerichtesgeführt, bei welchem er einst den Vorsitz gehabt hatte.Die Anklage legte ihm zur Last, ben Supremat desKönigs verworfen zu haben, wie aus feinem Gesprächemit Richard Rish hervorgehe. Mit großer Fassung ver-theidigte sich Morus Punkt für Punkt. Dessenungeachtetkehrten die Geschwornen schon nach einer viertelstündigengeheimen Berathung zurück und sprachen ihn schuldig.Man kündigte deni Verurtheilten an, der König habe dieGnade gehabt, die furchtbare Strafe des Viertheilens,wozu er verdammt war, dahin abzuändern, daß er ent-hauptet würde. Da sprach Morus scherzend:Gott be-hüte einen jeden meiner Freunde vor einer solchen Gnade!"

Alsdann ergriff er noch einmal es war das letzteMal das Wort, um unmittelbar vor seinem Todenoch der Wahrheit feierlich Zeugniß zu geben und diesesZeugniß mit seinem Blute zu besiegeln. Seine Rede aberhat der deutsche Dichter Oscar Redwitz in die schönenWorte gefaßt:

Und steht im Ocean der Weltgeschichte

Gleich einem Felsen eine Wahrheit da,

Dnrck alle Stiirme nnerschiitterlich