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Besitzungen verloren, und von den vielen Schlägen er-holte sich das Land nie wieder. -
LXI. Preußen unter Friedrich dem Großen.
Die ersten Negierungsjahre Friedrichs II. warenfast ganz nnt Krieg ausgefüllt. Er führte gegen MariaTheresia, deren rechtmäßige Ansprüche auf die öster-reichischen Staaten er nicht anerkennen wollte, die dreischlesischen Kriege, welche durch den Frieden auf demSchlosse Hubertsburg beigelegt wurden (1763). BeideReiche blieben auf ihre früheren Grenzen beschränkt, aberder Waffenruhm Preußens hatte sich überall verbreitet,und in Kurzem wurde das Reich Friedrichs als diefünfte Großmacht Europa's angesehen.
Der König suchte nun die Schäden des Krieges wie-der gut zu machen und die Segnungen des Friedens zuverbreiten. Handel und Verkehr wurden befördert, ver-wüstete Gegenden wieder angebaut. Schulen errichtet, neueAnsiedler iu's Land gerufen. Er legte über 6000 neueDörfer au. Wegen seiner Strenge war Friedrich auchvon seinen Unterthanen nicht sehr geliebt; es wurdenselbst Schmähschriften gegen ihn öffentlich an den Straßenangeheftet. Der König zürnte jedoch deßhalb nicht; erließ manchmal solche öffentliche Anschläge sogar weiter her-unter fetzen, damit sie Jedermann bequem lesen könnte.
Unermüdlich war er für das Wohl seines Volkes unddie Hebung des Landes thätig; jede Stunde des Tageswar für irgend ein Geschäft bestimmt. Im Sommerstand er schon uni 4 Uhr auf und kleidete sich selbst an.Hierauf las er zuerst die wichtigsten Briefe, die einge-gangen waren, und schrieb die Antwort auf den Rand;dann wurden die Offiziere zur Berichterstattung vorge-lassen. Hernach trank der König den Kaffee und spieltedarauf einige Zeit zu seiner Unterhaltung die Flöte.Run traten die Kabinetsräthe ein; hatte er mit diesen