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die Tagesgeschäfte abgemacht, so las er ei» Buch oderschrieb Briefe. Schlags 12 Uhr wurde gespeiset. SeineTafel mußte immer mit de» ausgesuchteste» Leckerbissenbesetzt sei». Zugleich wurde dieselbe durch geistreiche Ge-spräche gewürzt, den» Friedrich liebte es, tüchtige Köpfe,besonders witzige Franzose», in seiner Umgebung zu habe».Nach Tisch spielte er wieder»»: eine halbe Stunde dieFlöte, ging in seinem Garte» spazieren, arbeitete von 4bis 5 Uhr an seinen wissenschaftlichen Werken; um 6 Uhrbegauu das Concert, welches eine Stunde dauerte; dannwar die Abendmahlzeit. Um 9 Uhr begab sich Friedrichzur Nahe. Im Frühling und Herbst hielt er Heerschauin den Provinzen. Im Sommer wohnte er in Sans-souci, im Dezember zu Potsdam, im Januar in Berlin.Aber überall »rußten ihm seiire Hunde nachgefahren wer-den und zwar in Kutschen; selbst während des sieben-jährigen Krieges waren sie in den Feldlagern unter sei-nem Gefolge. Starb eines von diesen Lieblingsthieren desKönigs, so ließ er es in seinem Garten beerdigen undsetzte ihm ein Denkmal mit Inschriften.
Um so trauriger aber war es mit seinen religiösenAnschauungen bestellt. Der verkehrte Religionsunterricht,den er in seiner Jugend erhielt, da seine Lehrer, die re-formirten Domprediger Andreä, Noltenius und Cochinsseinen Kopf mit Bibelsprüchen vollpfropften, ohne seinenSinn in der Frömmigkeit auszubilden, dann der Um-gang mit französischen Freigeistern mögen in Friedrichden Unglauben begründet haben. Die Urtheile über Re-ligion, die in seinen Schriften so häufig vorkommen, sindüberaus oberflächlich und wegwerfend; die Erhabenheit undTiefe der christlichen Wahrheit sind ihm gänzlich fremd;die Kirchengeschichte kennt er gar nicht. Anstatt Gegen-beweise zu bringen, ergeht er sich, wie sein Meister Vol-taire, in gotteslästerlichem Witz und Spott. Dem „großenPhilosophen von Ferne:)" schenkte er sein ganzes Ver-