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LXII. Die Bartholomäusnacht.
Während der Minderjährigkeit Karls IX. regierte inFrankreich seine ränkesüchtige Mutter, Katharina vonMedici. Jetzt kam die Eifersucht zwischen den beidenersten Häusern des Reiches, den Gnisen und den Bour-bons, die beide mit dem Königshause verwandt waren,zuni vollen Ausbruche. Die Verschiedenheit der Religionerhöhte die Erbitternng der Parteien; denn die Guisenbekannten sich zur katholischen, die BourbouS zur refor-mirten Kirche. An der Spitze der Katholiken standen derHerzog Franz von Guise, der Marschall von St. Andrä,und Annas von Montmorency; an der Spitze der Hu-genotten der Admiral Coliguy und die beiden jungenPrinzen Condö und Heinrich von Ravarra. Der Streitunter diesen beiden Hänsern verwickelte Frankreich ineinen großen Bürgerkrieg, welcher mit der ganzen Er-bitterung geführt wurde, die der Religionshaß einzuflößenpflegt; drei bis viermal durch feierliche Friedensschlüsseunterbrochen, wüthete er bereits mehrere Jahre unter -unerhörten Gräueln fort. Schon waren die vornehmstenHäupter auf beiden Seiten gefallen, dennoch legte sich dieWuth der Parteien nicht; die Söhne der erschlagenenAnführer nahmen sofort die erledigten Stellen ein.
Als die Königin-Mutter sah, daß die Hugenottendurch Gewalt nicht zu beschwichtigen waren, schlug sie,der Gränel des langen Bürgerkrieges müde, den Wegder Versöhnung ein. Sie gab ihre Tochter, Marga-retha von Valois, dem Hugenottischen Prinzen Hein-rich von Ravarra zur Gemahlin. Die Vermählung undmit ihr das Aussöhnungsfest wurde am 18. August 1572unter Freude und Jubel zu Paris gefeiert; der Prinzvon Condä und der Admiral Coligny, begleitet von einergroßen Menge ihrer Glaubensgenossen, wohnten demFeste bei und wurden mit Anszeichnnng empfangen. Der