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gen Coligny den Verdacht der Anstiftung dieser Thatund ersah sich deßhalb zunächst ihn znm Opfer seinerRache aus. Er eilte mit einer Mannschaft zur Wohnungdes Admirals. Hätte der Herzog nur einige Minutengezögert, so wäre das blutige Vorhaben vielleicht nichtzur Ausführung gekommen. Denn von bem Schreckendes Gewissens überwältiget, hatten in dem Augenblickeder ausbrechenden Gräuel der König und sein BruderAnjou, selbst die Königin-Mutter, den Widerruf beschlossen.Aber ein durch die Nacht tönender Pistolenschuß verkün-dete, daß es zu spät sei. Coligny war schon gefallen.Auf den Zuruf: „Im Namen des Königs!" wurde seinePforte den Andringende» geöffnet, die Wächter augenblick-lich erschlagen. Dann stürzten die Mörder in das Zimmerdes Admirals. Bei dem ersten Lärm war der krankeGreis schnell aufgestanden; man fand ihn an die Wand ge-lehnt. „Bist du Coligny?" schrie Besme, ein junger Offi-zier. „Ich bin es," sprach der Admiral, „aber du, jun-ger Mann, habe Ehrfurcht vor diesen grauen Haaren!"Ein Stoß mit dem Degen war die Antwort, viele Hiebeund Stiche folgten nach; ein anderer Mörder schoß ihmeine Kugel durch den Leib. Dann stürzten sie den zer-fleischten Leichnam zum Fenster hinaus auf die Straße.
Alsbald begann auch das Morden in den Straßen.Die Glocke des Palastes gab den Parisern, die durch vor-her ausgestreute Gerüchte von Verschwörungen der Huge-notten waren aufgereizt worden, das Zeichen zur Ermor-dung der anwesenden Hugenotten. Ein weißes Tuch umden linken Arm und ein weißes Kreuz vor dem Huthatten sie als äußere Merkzeichen gewählt, an welchen siesich einander kennen könnten. Aufgeschreckt durch denplötzlichen Lärm, stürzten die Hugenotten aus den Häusernund fielen so ihren Feinden in die Hände. Von allenSeiten ertönte das Brüllen der Mörder, das Schreienund Flehen der Verfolgten, das Winseln der Sterbenden,