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dazwischen das Knallen der Gewehre und das Geklirreder Schwerter. Kein Alter, kein Geschlecht, kein Standfand Gnade.
Ueber dem blutigen Gemetzel stieg die Sonne emporuud beleuchtete die Gräuel der verstrichenen Nacht. Ueber-all lagen die Leichen in den Straßen umher, viele auchwurden aus den Fenstern gestürzt und durch die Straßennach der Seine geschleppt. Noch zwei schreckliche Tagehindurch währte das Genietzel. Dann durchzog Karl mitseinen Höflingen wie im Triumphe die leichenerfülltenStraßen. Auch Colignp's Leichnam fand er; der wüthendePöbel hatte ihn auf alle Art beschimpft und endlich beiden Beinen an einem Galgen aufgehängt. Auch die Kö-nigin-Mutter machte den entsetzlichen Umzug mit.
Das Gerücht von diesem Mordfeste, welches man auchdie Pariser Bluthochzeit nennt, weil nur wenigeTage zuvor Heinrichs von Navarra Hochzeit zu Parisgefeiert worden war, erfüllte ganz Europa mit Schauderund Entsetzen; in Frankreich selbst war aller Parteigeistgebrochen. Man hat die Bartholomäusnacht schontausendmal den Katholiken vorgeworfen, aber dabei ge-wöhnlich übersehen, daß jenes Blutbad vorzugsweiseein politischer Streich, daß die Religion nicht so fastdie Veranlassung und Ursache, als vielmehr der Vorwanddazu war, und daß die hinterlistige Katharina von Medician nichts weniger dachte, als Etwas zur Ehre Gottesbeizutragen, sondern sich eben nur eine höchst gefährlichePartei vom Halse schaffen wollte, welche ihrer Regie-rung von Tag zu Tag lästiger wurde. Die Religion istweit davon entfernt, alles das zu billigen, was die Men-schen in ihrem Namen zu thun sich herausnehmen, undwas sie etwa mit ihrem geheiligten Mantel bedecken möch-ten. Deßhalb verabscheut und verurtheilt die katholischeKirche jene unbegreiflichen Gräuel, deren Erklärung maunur in der Aufregung des Bürgerkrieges, in der Arglist