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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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LXIV. Die Hinrichtung des Königs Ludwig XVI.

Die Wuth der entfesselten Massen zur Zeit der fran-zösischen Revolution kannte keine Grenzen. Die Blut-männer ruhten nicht, bis das Haupt des unschuldigenKönigs selbst unter dem Beile der Guillotine fiel. Am17. Januar 1793 wurde er von dem Convente trotz derglänzenden Vertheidigung seiner Freunde Tronchet,Malesherbes und de Seze zum Tode nerurtheilt, der81. Januar zum Tage der Hinrichtung bestimmt. Mautheilte dem Könige das Todesurtheil mit, er war gefasst.Er bat um einen Beichtvater, seine Bitte wurde gewährt.Es war ein Jrläuder, der Abbö Edgeworth, demmau den Zutritt gestattete. Der König legte die heiligeBeichte ab. Aber eine furchtbare herzzerreißende Scenestand ihm noch bevor, der Abschied von seinen Angehö-rigen. Sonntag den 20. Januar, Abends halb 8 Uhr,kam die Königin mit dem Dauphin, die Prinzessin Elisabethmit des Königs Tochter. Sie fielen dem Könige um denHals und mehrere Minuten vergingen m Schweigen undSchluchzen. Dann führte sie der König in sein Speise-zimmer, und hier waren sie noch fast zwei Stunden al-lein beisammen. Sie schieden nicht, bis der König ihnendas Versprechen gab, sie am nächsten Morgen, ehe er zurHinrichtung geführt würde, nochmals zu sehen. Er ver-sprach es.

In der nächsten Nacht schlief der König ruhig. Kaumdämmerte der Tag es war der 21. Januar 1793,als Ludwig von seinem Lager aufstand und seinen Beicht-vater Edgeworth zu sich rief. Er hörte mit inbrünstigerAndacht die Messe und empfing aus der Hand des Priestersdas hl. Abendmahl. Unterdessen wurde es in den Straßenvon Paris immer lebhafter, der Geueralmarsch wurdegeschlagen, die Kanonen aufgefahren, das Getöse derMenschen und Pferds drang schon bis zum Thurme. Der