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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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König horchte und sprach gelassen:Es scheint, sie nähernsich!" Jetzt wollte er von den Seinigen Abschied nehmen;allein sein Beichtvater bat ihn dringend, diesen den Schmerzeiner so schrecklichen Trennung zu ersparen.Nnn, sosei es denn", seufzte er,aber ach, wie viel kostet es mir,zu scheiden, ohne sie zu sehen!" Um 9 Uhr nahm derLärm zu, die Gefängnißthüre ging auf, und Santerre,der Held des Tages, trat mit der Wache ein, ihn abzu-holen.Einen Augenblick!" sagte der König, und tratzurück, sank betend in die Kniee und empfing von seinemBeichtvater den Segen. Dann bestieg er mit seinemBeichtvater und zwei Gensdarmen den bereit stehendenWagen. Eine doppelte Reihe von Soldaten, welche vierMann hoch standen, hatte ohne Unterbrechung die Stra-ßen, durch welche der Wagen fuhr, besetzt; an allen Eckenwaren Kanonen aufgefahren, und eine Bedeckung Rei-terei umringte den Wagen. Alles, was nicht zum Dienstebefehligt war, und alle Einwohner von Paris hattensich in ihre Häuser zurückgezogen, und so herrschte einefürchterliche Leere in den Straßen. Die Stadt war einigeStunden lang wie ausgestorben. Eine finstere Stille undein trüber Himmel schienen die Tage des Mordes unddes öffentlichen Elendes zu weissagen, die auf diesen Tagder Trauer folgen sollten.

Um 10 Uhr langte der Wagen auf dem PlatzeLudwigs XV. an, in dessen Mitte das Blutgerüst, dieGuillotine, stand. Mehr als 15,000 Mann zu Roß undzu Fuß bildeten einen großen Kreis um dieselbe. Währendder Fahrt hatte der König im Gebete Trost gesucht. So-bald sie angekommen waren, wurde der Schlag geöffnet:der König stieg aus und betrat mit der Geduld einesGerechten, der mit dem Himmel im Frieden ist, die Stufendes Schaffotes. Die Henker umringten ihn und wolltenihn entkleiden; Ludwig wies sie mit Hoheit zurück, legteselbst das Kleid ab und entblößte seinen Hals. Tau»