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Fanny.“ Weder der Engländer noch seine Gemahlin hattenvorher auf Maria Vonmatt geachtet. Jetzt, da der Name ihresvor zwei Jahren verstorbenen Kindes ertönte, durchzuckteSchmerz und Wehmut die Seele. Sie bemerkten schnell, wieauffallend die Ähnlichkeit zwischen der seligen Fanny unddem Kinde da sei. Und als dieses seine Sträusschen empor-hob und mit freundlichem Tone die Dame und ihre Tochterbegrüsste, da meinten diese seihst in dem Klang der Stimmeeine liehe Erinnerung zu finden. Auch der Engländer be-trachtete die zwar ärmlich, aber reinlich gekleidete Kleinemit sichtlicher Rührung. Er erkundigte sich hei dem Führernach deren Eltern. Als er vernahm, dass es eine vater- undmutterlose Waise sei und bemerkte, wie sehr sich seine Ge-mahlin und Tochter für das Kind interessirten, mit dem siedoch kein Wort reden konnten, so war sein Entschluss ge-fasst. Für einmal behielt er ihn zwar für sich, sah es jedochgerne, dass seine Tochter dem Mädchen alles gab, was sie anMünze hei sich hatte. Man denkt sich leicht, wie warm Mariafür eine so unerwartet grosse Gabe dankte. Der Zug setztesich wieder in langsame Bewegung; aber die Mutter Evelinenswurde immer stiller. Vielleicht trug dazu die Vergleichungnicht wenig hei, welche die Tochter jeden Augenblick aufsneue-auffrischte. So gelangten die Reisenden bis oberhalb desKlösterli, von wo zwei Pferde ganz leicht neben einanderbergan steigen können. Die Dame trieb ihr Reittier etwas an,und bald befand sie sich an der Seite ihres Gemahls. Dieserteilte ihr erst jetzt mit, was er von dem Führer vernommenhatte. Er hatte aber nicht Zeit, ihr auch Mitteilung von seinemEntschlüsse zu machen; denn sie hat ihn alsbald, das Kindan der Stelle ihrer seligen Fanny mitnehmen zu dürfen. Siemussten, wie der Führer dem Engländer schon mitgeteilthatte, nicht fürchten, dass jemand ernstlich Einsprache gegeneine solche Versorgung des Kindes machen werde. Evelinajubelte, als man ihr mitteilte, man wolle ihr in dem Kindeeine Gespielin und eine zweite Schwester schenken. Durchden Führer wurden die bisherigen Pflegeeltern und das Pfarr-amt von dem Entschlüsse des Engländers in Kenntnis gesetzt,nnd schon nach einigen Tagen befand sich Maria Vonmatt beiihren neuen Beschützern auf Rigikulm. Es war rührend, die