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"wie man es damals selbst in den reichsten Städten Italiensnur selten traf. Es ist daher kein Wunder, dass er Zutritt zuallen hohem Zirkeln der Stadt hatte. Der Ruf von Boursiersgesellschaftlichem Talente gelangte seihst zu Ermins Ohren;aber auch jener hörte oft von dem Geize des letztem und vondem elenden Leben, das dieser führte, und er bekam Lust,denselben zu sehen. Er liess sich also die Erlaubnis erbitten,dessen Landgut besuchen zu dürfen. Ermin hatte bei allemGeize doch noch zu viel Gefühl für Anstand, als dass er dieseBitte einem Fremden von Auszeichnung abgeschlagen hätte;ja, er entschloss sich sogar, denselben nach seinem Landgutezu begleiten, so sauer es ihm auch wurde, seine Angestelltenfür einige Stunden seiner Aufsicht zu entheben. Der Reiz, denBoursier seiner Unterhaltung zu verleihen wusste, fesselte selbstdie Aufmerksamkeit Ermins. Dieser war so entzückt über denGeist und die feinen Manieren des Edelmannes, dass er dessenBesuch absichtlich verlängerte, natürlich jedoch, ohne ihm inseinem prächtigen Gute auch nur die geringste Erfrischunganzubieten. Als sie den ehemaligen Gesellschaftssaal verliessen,der aber seit langen Jahren dem ursprünglichen Zwecke ent-fremdet war, erfasste ein ihm bisher unbekanntes Gefühl Ermin,und er fragte den Fremden: „Mein Herr! Können Sie, der Sieso gebildet, so weiterfahren sind und so vieles gesehen haben,mir nichts nennen, was noch niemals durch den Maler dar-gestellt wurde, sich aber für meinen Gesellschaftssaal vortreff-lich eignete?“ Boursier blickte ihn halb ironisch, halb mit-leidig an und erwiderte ohnej Zögern: „Ich will Ihnen etwasnennen, was leicht darzustellen ist, was Sie aber gewiss nichtkennen; es fehlen Ihrem Gesellschaftssaale die Symbole derGastfreundschaft und Freigebigkeit.“ Ermin hatte noch genugnatürliches Gefühl, um zu merken, wie weit er in seinemschmutzigen Geize versunken sein müsse, weil ein Fremdernach kurzer Anwesenheit in Genua so genau davon unter-richtet war. „Ja, mein Herr!“ antwortete er, „ich werde dieSymbole der Gastfreundschaft und Freigebigkeit in meinemGesellschaftszimmer malen lassen und mich an dem Gemäldeso erbauen, dass mir nie wieder irgend jemand sagt, ich kennesie nicht.“ Er hielt sein Wort und machte von da an vonseinen Reichtümern einen vernünftigen Gebrauch.
(Nach Boccaccio.)