Aufgaben zu Nr. 1—5.
Ausführung folgender Entwürfe:
1. Die Maiglöckchen.
An einem schönen Frühlingsmorgen verliess Hermann, der Sohn eines reichenGutsbesitzers, das Landhaus. Er wollte im nahen Wäldchen Maiglöcklein suchen,um seiner Mutter einen Strauss zu ihrem Geburtstage zu bringen. Er kam zuder Stelle, wo er vor wenigen Tagen eine Menge halbaufgeblühter Glöckchengesehen hatte. Jetzt waren nur noch wenige halb verwelkte da. Verdriesslichwollte Hermann wieder heim gehen. Da trat aus dem Gebüsche ein blasser,ärmlich gekleideter Knabe von zehn Jahren und bot ihm einen kleinen Korbvoll zierlicher Maiblumensträusschen an. Er erzählte, er sei frühe hieher ge-kommen, um die Maiblumen zu pflücken und in der Stadt zu verkaufen; seinVater sei arm und krank; beim Vorübergehen habe er Hermann soeben gesehenund vermute, er suche Maiglöckchen. Hermann nahm einige Sträusschen, gabdem armen Kleinen etwas, begab sich dann nach Hause, übergab die Blumenund erzählte dem Vater, was er erfahren hatte. Dieser ging mit Hermann zudem armen Manne und unterstützte ihn von da an. (Nach Falkmann.)
2. Der edelgesinnte Jude.
Levi, ein jüdischer Handelsmann, kommt bei rauhem und stürmischem Wetterin ein Wirtshaus und nimmt bescheiden Platz unter den zahlreich versammelten,in lebhaftem Gespräche begriffenen Gästen. Man schmäht und neckt ihn aufpöbelhafte Weise, und vor allen sucht ein Seifensieder das Gelächter seinerTrinkgenossen durch boshafte Kränkung des Juden zu erregen. Levi begibt sichso bald als möglich zu Bette. Um Mitternacht bricht in dem Hause des Seifen-sieders Feuer aus. Der Jude eilt zu Hilfe und rettet unter Lebensgefahr dasKind seines Beleidigers. Bei seiner Abreise übergibt er dem Wirte noch eineSumme zur Unterstützung des Seifensieders. (Ritsert.)
3. Gattentreue.
Ein französischer Soldat, der zu Chalons in Garnison lag, verheiratete sich.Nachher wurde sein Regiment nach Algier geschickt. Seine Frau blieb bei ihrenEltern. Die jungen Eheleute schrieben einander regelmässig. Auf einmal bliebendie Briefe des Soldaten aus. Die Frau wurde unruhig. Sie verreiste nach Algier,begleitet von einem Hündchen, das früher dem Soldaten gehört hatte. Dort ver-nahm sie, dass der Mann im Lazarete liege. Sie suchte ihn, fand ihn aber unterden vielen Kranken nicht so schnell als ihr Hündchen. Der Kranke war baldausser Gefahr und erhielt dann bis zur völligen Wiedergenesung Urlaub. Rück-kehr seiner Frau nach Chalons.
4. Der Schäfer und der Goldschmied.
Ein alter Schäfer kommt zu einem durch seine Geldgier bekannten Gold-schmiede in der Stadt und fragt mit geheimnisvoller Miene, wie viel ein Klum-pen Gold, etwa einen halben Zentner schwer, wert sei. Der Goldschmied ver-spricht ihm Auskunft; er bewirtet ihn aufs beste und vergisst namentlich nicht,ihm einzuschenken, um ihn gesprächig zu machen. Als der Schäfer nicht mehranfangen will, von dem Golde zu reden, fragt ihn der Goldschmied, ob er dennwirklich einen solchen Goldklumpen gefunden habe. Der Schäfer erwidert, indem