Buch 
Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
Entstehung
Seite
31
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Das Pech blieb aber an ihr hangen und wollte, so langesie lebte, nicht abgehen. (Grimm.)

L 2 Der Fisclter.

Es lebte einst ein hochbejahrter Fischer, der so arm war,dass er nur mit Mühe seine Frau und seine drei Kinder er-nährte. Er ging des Morgens früh auf den Fischfang, hattesich aber zum Gesetze gemacht, seine Netze im Tage nur vier-mal auszuwerfen.

Eines Morgens verliess er seine Hütte schon beim Mond-scheine und begab sich an die Meeresküste. Er legte seinOberkleid ab und warf seine Netze aus. Wie er sie wiederaufzog, spürte er gleich anfangs kräftigen Widerstand. Erglaubte, einen guten Fang gemacht zu haben und freute sichschon. Aber als er einen Augenblick nachher bemerkte, dasssich statt eines Fisches in seinem Netze nur das Gerippe einesEsels befand, machte das ihm den grössten Verdruss. Das Netzwar zerrissen, und er musste dasselbe so gut als möglich flicken,ehe er es zum zweitenmale auswarf. Als er es wieder aufzog,fand er es wieder ausserordentlich schwer. Er hoffte, es seidieses mal mit Fischen gefüllt; aber er fand darin nur einengrossen Korb voll Kies und Kot. Seine Betrübnis wuchs. VollZorn schleuderte er den Korb weg, wusch seine Netze undwarf sie zum drittenmal aus. Auch dieses mal fischte er nurSteine, Muscheln und Unrat heraus. Seine Verzweiflung stiegaufs höchste; er hätte fast den Verstand verloren. Bei Tages-anbruch verrichtete er als gläubiger Muhamedaner sein Gebet;dann warf er seine Netze zum viertenmale aus. Als er ver-mutete, es möchten jetzt Fische darin sein, zog er sie herausnnd hatte hiebei ebensoviel Mühe, wie die drei ersten male.Er fand darin wieder keine Fische, wohl aber ein kupfernesGefäss, welches, nach seinem Gewichte zu urteilen, etwas ent-halten musste. Er bemerkte, dass es geschlossen, plombirtund mit einem Siegel versehen war.Ich werde es dem Kupfer-schmied verkaufen, sagte er bei sich selber,und aus demGelde, das ich dafür lösen werde, kann ich einen ScheffelGetreide kaufen.

Er untersuchte das Gefäss nach allen Seiten, schütteltees, um zu sehen, ob dabei das, was darin war, kein Geräusch