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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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95
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genommen und erklärte, ihm nachstrebend müsse man dasRecht der Kirche, das Wohl des Staates, die Unverletzlichkeitder Gesetze im ganzen Reiche zu gründen und herzustellensuchen. Aber selbst in spätern Jahren, wo er dem würdigen,ihm verwandten Geschichtschreiber Otto von Kreisingen Nach-richten über seine wahrlich nicht unbedeutenden Taten mit-teilte , fügte er, von eitler Selbstliebe kleiner Seelen weitentfernt und fast wehmütig hinzu:Im Vergleich mit dem,was jene herrlichsten Männer der Vorzeit leisteten, sind diesvielmehr Schatten als Taten. (Fr. v. Räumer.)

17 . Wilhelm T<11.

Nicht in dem Glänze, welchen Lobredner den Heldenihres Zeitalters geben, sondern in dem bescheidenen Gewändeder Volkssage erscheint uns Teil aus der dämmernden Ferneder Vorzeit. Gross wie die Umgebungen, in denen er lebte,war der Geist des einfachen Mannes. Ein Sohn der wilden,sich selbst überlassenen Natur, in deren Schoss er heranwuchs,hatte er wenig von der Aussenwelt, das meiste aus sich selbstgenommen. Oft, als der kühnste Jäger, in der Nähe derSchneegrenze des höchsten Landes unsers Erdteils war seinHerz dem ihm nahen Himmel verschwistert. Sein Blick überdie steilen Eiswände der Gletscher hinab in die tiefen Ab-gründe , wo die braunen Herden auf üppigen Triften um diefriedlichen Sennen wandelten, erfasste das Leben und Treibender niedern Hütten mit warmer Liebe. Sein Gemüt war einstiller Strom, der, ruhig dahingleitend, seine Lasten trägt:nützlich für alle und nur furchtbar, wann ein Gewitter ihnnötigt, aus seinen Gestaden zu treten. Er scheint über das,was zu tun war, nicht gern gesprochen, sein Wort an einenEid nicht gebunden zu haben. Man findet ihn nirgends, wodes Landes Wohl beraten, wohl aber, wo es ausgeführt wurde.Seine Vorsätze waren edle Keime, die schnell zur Tat reiften.Ein Mann voll Kraft und Gewandtheit des Körpers, kühn undbesonnen in Gefahren, mit einem Herzen voll Gradheit undallumfassendes Wohlwollen lebte er als Gatte eines bravenWeibes und als Vater hoffnungsvoller Kinder harmlos unterdem Dache seiner Vater. Zwar fühlte er wie andere den Druckder Zwingherren seiner Heimat. Aber ein rüstiger Alpenjäger,