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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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vergleichen, wohltuend und erfrischend; sie gewann dann allerHerzen durch liebliche und bescheidene Rede. Aber in dem-selben Grade ahstossend wurde sie in aufgeregten Zuständen,Wenn sie in ihrem Zimmer auf- und abschritt, Zorn in jederMiene, Wegwerfung in jedem Worte; man eilte, von ihr weg-zukommen. Unter andern lernt man sie aus dem Briefwechselmit dem König Jakob von Schottland kennen. Wie sprichtda jeder Satz eine mit der politischen vereinigte geistige undmoralische Überlegenheit aus! Daist kein überflüssiges Wort;Mies ist Mark und Substanz; von Fürsorge und eingehendemRatschlag geht sie zu herbem Tadel und ernstester Warnungüber; sie ist gütig und scharf, wohlmeinend und rauh, aberfast noch mehr wegwerfend und rücksichtslos als milde. Niehatte ein Fürst von seiner Würde eine höhere Idee, von derUnabhängigkeit, die derselben nach menschlichen und gött-lichen Gesetzen gebühre, von der Pflicht des Gehorsams,Welche jeden Untertan binde. Sie rühmt sich wohl, dass aufJ hre Entschlüsse keinerlei äussere Rücksicht einwirke, amWenigsten Drohungen oder Furcht. Wenn sie sich einmal nachdem Frieden sehnt, so besteht sie* darauf, dass es nicht ausDesorgnis vor dem Feinde geschehe, sondern bloss aus Abscheuvor dem Blutvergießen. Die Tätigkeit des Lebens entwickeltmcht allein die intellektuellen Kräfte: zwischen Gelingen undMisslingen, in Streit, Anstrengung und Sieg bildet sich derCharakter und nimmt seine vorherrschende Stimmung an. DasUngeheure, das ihr gelungen ist, erfüllt sie mit einem unend-lichen Selbstgefühl, welches zugleich von Zuversicht auf denUnfehlbaren Schutz der Vorsehung getragen wird. Dass sie,v °n dem Papst exkonnnunizirt, den Angriffen einer halbenWelt gegenüber sich behauptet, gibt ihrem ganzen Tun undWesen den verdoppelten Ausdruck persönlicher Energie. Sieliebt nicht, von ihrem Vater oder von ihrer Mutter zu sprechen;v °n einem Nachfolger will sie nicht reden hören. Das Gefühldes unbedingten Besitzes beherrscht die Erscheinung. Merk-würdig, wie sie an festlichen Tagen in ihrem Palast einher-sc hreitet! Voran Magnaten und Ritter in ihrer Ordenstrachtmit entblößtem Haupt; dann die Träger der Insignien derHerrschaft: des Szepters, des Schwertes und des grossen Siegels;Sle selbst in ihrem mit Perlen und Edelsteinen üb er säeten

Wiesendanger, deutsches Sprachbuch. II. 8