114
Gewand; hinter ihr ihre Damen, die durch Schönheit undreichen Schmuck glänzten. Einem oder dem andern, der ihrvorgestellt wird, reicht sie im Vorbeigehen ihre Hand zumKuss zum Zeichen ihrer Gnade, bis sie bei ihrer Kapelle an-kommt, wo ihr die versammelte Menge ein: „God save thequeen!“ zuruft. Sie erwidert Worte herablassenden Dankes.Elisabeth genoss noch einmal ungebrochen die ganze Verehrung,welche man der höchsten Gewalt widmete. Mit Knieheugungwurden die Speisen, von denen sie essen sollte, auf die Tafelgesetzt, auch wenn sie nicht zugegen war. Die Kniee beugend,ward man ihr vorgestellt.
Zwischen einer Fürstin, wie diese war, und ihrem Parla-ment konnte es an mannigfaltigen Streitigkeiten nicht fehlen.Die Kommunen nahmen das Privilegium unbedingter Rede-freiheit in Anspruch und bestritten in wiederholtem Anlaufdie Misshräuche, die noch in der bischöflichen Kirche übriggeblieben seien, die lästigen Monopolien, welche einzelnen Be-günstigten zu gute kommen. Die Königin liess die Mitgliederdes Unterhauses wegen missbeliebiger Äusserungen verhaften.Dabei hat sie aber doch wieder nicht verhehlt, sie müsse auchin Bezug auf die wichtigsten Staatsangelegenheiten auf dieStimmung der beiden Häuser Rücksicht nehmen. In denFormen hefleissigte sich das Parlament des Ausdrucks der Hin-gebung, welche die Königin als Fürstin und Frau verlangte.Diese suchte Handlungen wieder gut zu machen, durch welchedie Versammlung einmal beleidigt worden war. Für Beschwer-den, wie z. B. über Monopolien, hat sie als für heilsame Er-innerungen sogar gedankt. Ein französischer Gesandter bemerktim Jahr 1596, das Parlament habe vor alters eine grosseAutorität gehabt; jetzt tue es alles, was die Königin wünsche;ein anderer, der im Jahr 1597 anlangte, ist nicht allein erstauntüber das imponirende Äussere, sondern auch über den Um-fang der Rechte des Parlaments. Das eine ist vielleicht sowahr wie das andere. Die Erklärung des Widerspruchs liegtdarin, dass Königin und Parlament in den allgemeinen Ver-hältnissen des Landes und der Welt Verbündete waren. DieKönigin hätte, es ist an sich einleuchtend, ohne das Parlamentnicht regieren können: von Anfang ihrer Regierung an hat siesich in den wichtigsten Angelegenheiten auf dasselbe gestützt;