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und entschuldigt das gerechte Misstrauen gegen den Kaiserund das verzeihliche Bestreben, seine Wichtigkeit zu behaupten.Zwar zeugt sein Betragen gegen den Kurfürsten von Bayernvon einer unedlen Rachsucht und einem unversöhnlichen Gleiste;aber keine seiner Taten berechtigt uns, ihn der Verräterei fürüberwiesen zu halten. Wenn endlich Not und Verzweiflungihn antrieben, das Urteil wirklich zu verdienen, das gegen denUnschuldigen gefällt war, so kann dieses dem Urteil nicht zurRechtfertigung gereichen. So fiel Wallenstein, nicht weil erRebell war, sondern er rehellirte, weil er fiel. Ein Unglückfür den Lebenden, dass er eine siegende Partei sich zum Feindegemacht hatte; ein Unglück für den Toten, dass ihn dieserFeind überlebte und seine Geschichte schrieb. (Schiller.)
24. Ludwig !LIV.
In Ludwig XIV. erreichte die königliche Allgewalt denhöchsten Gipfel. Das ganze öffentliche Leben drehte sich umden Hof und die Person des Monarchen. Er ward als Halb-gott verehrt, und von seinen Untertanen erhielt nur der Be-deutung, auf dem die Gnade des Gebieters ruhte. Er warv °u einem Selbstgefühl durchdrungen, das nicht den leisestenSchatten auf der spiegelhaften Fläche seines Glanzes duldenWollte. Dies hatte für den König die Folge, dass Befriedigungseiner Eigenliebe, seines Stolzes und seiner Despotenlaune dasHauptziel seines Strebens wurde, für die Untergebenen, dasssie durch Schmeichelei, Servilismus und Kriecherei die Hof-gunst, die allein zu Glück und Ehre führte, zu erlangen suchten.
- Es war, als ob sie alle aufgäben, für sich selbst etwas zusein; sie waren nur insofern etwas, als sie im Verhältnis zudem Könige standen, ein Abglanz von ihm. Jedes Zeichen derHnade machte sie glücklich, die mindeste Ungunst elend. Da-her lagerten sich alle bösen Geister eines entarteten Hofes:Charakterlosigkeit, Verleumdung, Ränkesucht und Neid umden König und verschlossen allmälig der Tugend, Rechtschaffen-heit und Tüchtigkeit den Weg.
Um die verschiedenen Seiten der langen, glanzvollen Re-gierung Ludwigs XIV. zu beurteilen, njuss man die vier Haupt-eigenschaften seiner Natur: Herrschsucht, Stolz, Prachtliebeund religiöse Andächtelei ins Auge fassen.