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Die erste verleitete ihn, durch vier blutige Kriege ganzEuropa in Bewegung zu setzen; sein Stolz sprach für den Hofvon Versailles, wohin die königliche Residenz verlegt wurde,den ersten Rang an; seine Prachtliebe machte Frankreich zumMuster des Geschmacks in.Kunst, Literatur, Moden und Lebens-einrichtnngen, und seine religiöse Devotion, die von Zeit zuZeit sein sündhaftes Leben durchbrach, trieb ihn zur Verfol-gung der Hugenotten.
Alle seine Handlungen hatten übrigens ihren Grund indem selbstherrischen Geiste des Machthabers, der sich auchdarin beurkundete, dass er nach Mazarins Tode keinen Premier-minister mehr duldete, sondern sich von den verschiedenenMinistern die Geschäfte unmittelbar vortragen liess. Der Ge-neralprokurator und Oberintendant Fouquet, der unter Mazarindas ganze Finanzwesen fast unumschränkt geleitet und durchsein Ansehen bei den Geldmännern den Kredit des Staatesaufrecht erhalten, sich aber dabei so bereichert hatte, dass ereinen grossem Aufwand machen konnte als der König selbst,wurde seiner Stelle entsetzt und in Nantes, als er gerade vonHof nach Hause ging, auf ausdrücklichen Befehl des Königsverhaftet. Das einige Zeit nachher von dem Gerichtshof gegenden Intendanten gefällte Urteil der Landesverweisung schärfteder König, indem er den einflussreichen und geistvollen Mann,der Künstler und Dichter mit freigebiger Hand unterstützt,aus fernen Gegenden seltene Gewächse für seine prachtvollenGärten und Landhäuser herbeigeschafft und Adel und Beamten-welt durch Darlehen sich verpflichtet hatte, auf einer ent-legenen Festung den Rest seines Lebens zubringen liess. Seit-dem verwaltete Colbert, Fouquets Gegner, ein einfacher, höchstarbeitsamer Mann, unter einem bescheidenen Titel (General-kontroleur) die Finanzen des Reiches mit solcher Weisheit,dass er nicht allein das Geld zu den kostspieligen Kriegen,zu den glänzenden Festen und Einrichtungen und zu den Be-stechungen auswärtiger Minister ohne drückende Massregelnherbeischaffte, sondern dass er auch der Betriebsamkeit Frank-reichs einen neuen Schwung gab, Fabriken und Manufakturen,Handel und Seewesen hob, eine glänzende Marine schuf undKünste und Wissenschaft unterstützte. Der Kanzler Le Tellierbesorgte mit Umsicht, Wohlwollen und Geschäftstüchtigkeit