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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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Im Jahre 1776 wurde Franklin beauftragt, eine Verbin-dung der nordamerikanischen Staaten mit Frankreich gegenEnglands Übermacht einzuleiten und wo möglich zu stände zubringen. Einfach und schlicht in seiner Kleidung wie inseinem Wesen, eine grosse Brille auf der Nase, ging er dorteinher, und die modelustigen, komplimentreichen Franzosensahen in diesem einfachen Bürger Amerikas anfangs nichtsals einen ehrlichen Landmann; desto mehr aber wurden sievon dem scharfsichtigen, schlauen Amerikaner durchschaut.Bald empfing man ihn überall mit der grössten Aufmerksam-keit, und Ludwig XVI. gewährte ihm eine Audienz, hei welcherihm die vorzüglichste Hochachtung zu erkennen gegeben ward.Das Bündnis zwischen Frankreich und Amerika kam späterzu stände. Der General Washington, Kommandeur sämmtlicheramerikanischer Truppen, war es besonders, welcher sich nebstFranklin um Nordamerikas Freiheit die grössten Verdiensteerwarb. Wie sehr Franklin die Verdienste dieses ausgezeich-neten Mannes erkannte, dafür zeugt eine Stelle in seinemTestamente, welche also lautet:Meinen guten Spazierstockvon wildem Apfelholz mit dem goldenen Knopfe vermache ichKleinem Freunde, dem Freunde und Wohltäter der Menschheit,dem General Washington. Wäre es ein Szepter, er hätte esverdient und würde es mit Ehren führen.

Franklin, welcher in den Tagen seines Alters an der Fuss-gicht litt, hat 1785 um Zurückberufung aus Frankreich, woer sich seiner Sendung auf die rühmlichste Weise entledigthatte. Mit lautem Jubel empfingen ihn seine Mitbürger inPhiladelphia. Man löste die Kanonen, läutete die Glocken underwies ihm die grösste Liebe und Hochachtung. Seine Mit-bürger erkannten es dankbar an, dass er der belebende Geistgewesen war, welcher vor und in dem Kriege das Gefühl derEreiheit und Unabhängigkeit von fremdem Drucke in seinenLandleuten allenthalben hervorgerufen und wach erhaltenhatte. Noch in seinem achtundsiebzigsten Jahre bekleideteer die Stelle eines Präsidenten des Kongresses von Pennsyl-vanien. Gradheit und Wahrheit war seinem Leben allent-halben eingeprägt. Sein Herz schlug bis zur letzten Stunde'warm für das Wohl der ganzen Menschheit. Seine letzte öffent-liche Handlung war die Unterzeichnung einer Bittschrift an