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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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liches Los zu versprechen, und nun muss jede Hoffnung' sogewaltsam zerstört werden. Auch mich hat wie Sie bis jetztnoch kein harter Schlag betroffen, und ich kann mich nichterwehren, bei dieser Gelegenheit auch in meinen eigenenBusen zu greifen und mir den möglichen Verlust dessen, wasmir teuer ist, zu denken. Bei meiner schwachen Gesundheithatte sich die feste Überzeugung in mir gebildet, dass ichnicht in diesen Fall kommen würde; aber Ihr Verlust, meinteurer Freund! überführt mich, dass alle Berechnungen trügen.

Wenn das italienische Klima doch vielleicht zu angreifendfür Ihre Kinder und die gute Karoline* wäre oder werdenkönnte, so wäre es vielleicht besser, alle jene Verhältnisseaufzugeben, da Sie doch einmal Herr Ihres Schicksals sind.Es haben so viele Deutsche dort schon ein frühes Grab gefunden.

Mögen diese Zeilen Sie und die liebe Karoline in einerruhigen Fassung finden! Aber wir wünschen sehr bald einWort von Karolinens Hand, um uns zu überzeugen, dass siesich über diesen schweren Schlag erhoben habe. Eine starkeSeele bei aller feinen, zarten Fühlbarkeit ist doch das glück-lichste Geschenk des Himmels! Es ist ihr verliehen, und sowird sie das Unabänderliche zu ertragen wissen.

Geben Sie uns, wo möglich, bald wieder Nachricht! Warummüssen wir jetzt so weit von einander sein! Unser herzlicheAnteil würde Ihnen Ihren Kummer erleichtern. Erhalten SieIhre Gesundheit! Ewig der Ihrige.

Schiller.

5. »Jean Paul au Heinrich Voss.

Baireuth, den 11. Mai 1817.

Endlich hab ich die Freude, Sie um zwanzig bis dreissigDinge zu bitten, welche indes alle auf die Stube hinauslaufen,in der ich Ihnen dafür danken will. Ich brauche nämlichetwa von der Pfingstwoche an bis zum längsten Tage einStäbchen zur Miete (nicht einmal ein Kämmerlein dazu), fernerein Bett, ein schlechtes Kanape, weil ich nur auf einem solchenlese und schreibe, jemand, um den Kaffee und das Bett zumachen und Getränk zu holen, gar keine Möbel ausser den

Humboldts Gattin.