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Haustür. Freiheit sollen Sie genug haben den ganzen Morgen;aber des Nachmittags und Abends wollen wir Sie auch rechtehrlich quälen — mit Liebe; und wollen Sie des Morgensgequält sein, so kann’s auch geschehen.
Der Ihrige!
H. Yoss.
7. H. V«ss an «fean Paul.
Heidelberg, den 9. März 1819.
Hab’ ich schon länger geschwiegen, als mein Herz esbilligt, so soll doch wenigstens an dem Tage wieder ein Brieferscheinen, der meine ganze Seele mit dem Gedanken an dichfüllen wird: an deinem Geburtstage. Mögest du noch vieleJahre hindurch diesen Tag erleben, dir zur Freude und allenGuten, und spät einst, wann du dein Geschäft vollbracht hast,lebensfroh, nicht lebenssatt hinüberschlummern und keinenSchmerz mitnehmen als den, nicht mehr Gutes auf Erdenwirken zu können! Aber Gutes wirken, das wirst du auchnach deinem Hinscheiden, du, der so kräftigen Samen desTrostes, der Freude, der Religion ausstreutest, der unver-gänglich fortblühen wird. Mein teurer Jean Paul! Nie fühleich mich so aufgefordert, an Tod und Ewigkeit zu denkenals an Geburtstagen, sei es der meinige, sei es der Geburts-tag von Eltern, Brudern und Freunden, und dieser Gedanke,von Wonne und Wehmut begleitet, wird zu einem innigenGebete zu Gott, dessen Gegenwart ich nie näher fühle. Warumkann ich an deinem Geburtstage nicht bei dir sein, dir nichtdie Hand drücken, dich nicht von den Deinigen umringt sehen!Aber höre! Grade an dem Tage besteige ich den Wagen, umzu meinem Bruder zu eilen, der mich mit heisser Sehnsuchterwartet. Später flieg’ ich bei dir vor, und wer weiss, ob dudann nicht auf wenige Tage mit auf die Bettenburg zu demehrwürdigen Truchsess gehst? H. Yoss.
8. Schiller au seine Schwester,Hofrätiu K&einwald in Meiningen.
Jena, den 25. April 1796.
Du wirst nun auch erfahren haben, liebe Schwester! dassdie Luise ernstlich krank geworden, und unsere arme liebe