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auch nicht ein einziger sich dem forschenden Auge entzog.Besonders mächtig war der Eindruck, den die gerade gegen-überliegenden Walliser Alpen machten. Einzelne Teile desBhonetales schimmerten zwischen den Verbergen durch.Dicht unter ihnen aber lag in schauerlichem Abgrunde dasgrüne, engumschlossene Becken des Dalatales, und das Augekonnte die enge Felskluft verfolgen, durch welche die Dalaruit Ungestüm dem offenen, sonnigen Boden der Rhone zu-atrömt. Mitten in den grünen Matten des friedlichen Bergtales^ a gen die Häusergruppen, die Gasthöfe und Badgebäude schein-bar so nahe, dass man die Leute auf der Strasse und denBlätzen sich hin und her bewegen sah. Wenn man sich hiezuden Earbenreiz denkt, in welchem dieses Rundgemälde prangte:
silberflimmernden Gipfel, die blendend weissen Schnee-flächen, wie sie sich in dem Azurblau des Himmels spiegelten,Aas bunte Gemisch der Felsen, deren beleuchtete Partien jenach der Steinart und Entfernung das Kolorit der verschieden-artigsten Tinten von violett, braun, grau, gelb und weiss tru-S e n, während die beschatteten Teile schwarz und scharf davonabstachen, und erst recht dessen Zerklüftung und charakteri-stische Form erkennen liessen, — das Grün der Alpen undorberge, den dunkeln Mantel der Waldungen, der die sonni-g e n Berghalden umschlang, den bunten Teppich bewässerterdiesen, Pflanzplätze reifen Getreides, kahle Brachfelder, üppigeaurngärten oder heitere Reben, mit welchen das Tal und dieAbhänge bekleidet waren: so wird man wohl begreifen, dassie drei Bergsteiger sich der Bewunderung des prachtvollenanoramas in vollem Selbstvergessen hingaben und dieseniJochgenuss so lange als möglich festzuhalten suchten. Alleinle Minuten waren gezählt. Nach einem Aufenthalte von zweifunden entschlossen sie sich zur Rückkehr. Um 12 Uhr ver-le ssen sie die hehre Stätte. Die Sonne hatte die harte Schnee-rin de etwas zu erweichen vermocht; dennoch knüpften sie sichaüs Vorsicht wieder an das Seil und fanden es der SteilheitAbhanges wegen geraten, den eingehauenen Stufen auch^ 'wärts Schritt für Schritt zu folgen. An einigen Stellenjj r tten sie es indes wagen, auf der steilen Schneebahn am^ er gstocke hinunterzugleiten. Schon nach einer Stunde gelang-
te wieder auf den Verbindungsgrat der beiden Rinder-