Buch 
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
56
JPEG-Download
 

16. Der Feldzug 1796/97. Napoleon Bonaparte.— Alsdie neue Regierung der französischen Republik, das Direktorium,ins Leben trat, hatte sie auf dem Festlande nur noch Oesterreich undSardinien als ernstliche Feinde zu bekämpfen. Carnot, der alsMitglied des Direktoriums die Kriegsangelegenheiten nach wie vorleitete, entwarf einen großartigen Plan, um den Krieg zu beendigen.Drei Armeen sollten zugleich gegen Wien vorrücken, eine unter Jour-dan über den Niederrhein, die zweite unter Moreau über den Ober-rhein und die dritte unter Bonaparte über Oberitalien. NapoleonBonaparte, der in diesem Feldzug alle seine Mitgeneräle verdunkelnsollte, war 1769 zu Ajaccio auf Korsika geboren, das im Jahrevorher von Genua an Frankreich abgetreten worden war. Eineradligen, aber armen Familie entsprossen, konnte er sich in den Militär-schulen zu Brienne und Paris zum Offizier ausbilden; doch hatte er,mittellos und ohne einflußreiche Verbindungen am Hofe, wie er war,keinerlei Aussicht, je zu höhern Rangstufen emporzusteigen. Da brachdie Revolution aus, und eifrig schloß sich der junge Korse derselben an,weil sie seinem verzehrenden Ehrgeiz eine unermeßliche Bahn eröffnete.Beim Beginn des Krieges zum Artilleriehauptmann ernannt, dienteer zuerst in dem Heere, welches der Konvent gegen die aufständischenStädte Südfrankreichs sandte. Durch seine treffenden militärischenBemerkungen zog er die Aufmerksamkeit eines Bruders Robespierres,der dort als Konventskommissär weilte, auf sich; er erhielt das Kom-mando über einen Teil der Artillerie vor Toulon, und die Wieder-einnähme der Stadt (1793) war hauptsächlich sein Verdienst. ZumLohn dafür wurde er zum Artilleriegeneral bei der sog. „italienischen"Armee befördert, welche an der italienischen Grenze gegen die ver-bündeten Sarden und Oesterreicher kämpfte. Nach dem 9. Thermidortraf ihn jedoch wegen seiner intimen Freundschaft mit den beidenRobespierre Entsetzung, bis er bei dem Royalistenaufstand vom 5. Ok-tober 1795 wieder Verwendung fand. Die erbarmungslose Energie,mit der er die Gegner des Konvents niederschmetterte, verschaffte ihmendlich den Oberbefehl über die italienische Armee. — Er fand diesein schlechtem Zustande, fast das Nötigste entbehrend, wußte ihr aber