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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte bis zur Gegenwart
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die gewaltigen Erfolge, welche Preußen damit erzwäng, zur Not-wendigkeit auch für die übrigen Staaten geworden. Wenn sich dadurchihre Kriegsmacht aufs höchste gesteigert hat, so liegt darin doch auchwieder eine Bürgschaft gegen leichtsinniges Anzetteln von Kriegen.Fürsten, Minister und Parlamente werden sich mehr bedenken, dieFamilienvater des Landes ihrer friedlichen Arbeit zu entreißen undin den Tod zu schicken, als geworbene Söldner oder Unglückliche, diedas Los zum Soldatenberufe gezwungen hat.

2. Fortschritte der Humanität. Wegen der gewaltigenMassen, die jetzt die Staaten gegeneinander aufzubieten im ständesind, und infolge der Vervollkommnung der Kriegsmittel gehören dieKriege der neuesten Zeit zu den blutigsten, welche die Geschichte kennt.Aber dennoch sind ihre verheerenden Wirkungen nicht mehr so schreck-lich wie früher, weil jetzt in Wochen und Monaten entschieden wird,was früher in Jahren. Auch ist die ganze Kriegsführung menschlichergeworden. Das Privateigentum des besiegten Volkes wird nicht mehrals herrenloses Gut angesehen und Wehrlose nicht mehr wie frühermißhandelt oder getötet. Ferner haben sich die zivilisierten Nationenüber gewisse völkerrechtliche Grundsätze der Kriegsführung geeinigt,so namentlich 1864 in der sogenannten Genfer Konvention, welchedie verwundeten und erkrankten Soldaten samt den zu ihrer Pflegeund Heilung bestimmten Personen und Anstalten in den Schirm derNeutralität stellt. Auch sonst tritt der humanere Charakter unsererZeit vielfach hervor. Die Tortur, die grausamen, barbarischen Strafensind aus den modernen Strafgesetzen verschwunden, und die Todes-strafe wird, wo sie nicht ganz abgeschafft ist, äußerst selten angewendet.Im Gerichtswesen werden alle möglichen Vorkehrungen getroffen,um die Verurteilung von Unschuldigen zu hindern. Regierungen undPrivate bemühen sich, durch Stiftung und Unterstützung wohltätigerAnstalten, von Spitälern, Waisenhäusern, Greisenasylen, Irrenhäusern,Taubstummen- und Blindeninstituten rc. die Leiden der Gebrechlichenzu lindern. Der Staat anerkennt es als seine Pflicht, die ärmerenKlaffen vor leiblicher und geistiger Verkümmerung zu schützen, undbestrebt sich, durch Fabrikgesetze, durch Einführung der Unfall-, Kranken-