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Karl der Große im Münstertal.
Im bündnerischen Münstertal, im Dorfe Münster, be-findet sich hart bei der Kirche ein sehr altertümlicher Bau.Er gleicht ein wenig einer alten Festung, ist aber ein altesFrauenkloster. Über der Türe, die in den Kirchhof führt, siehtman ein Bild des Kaisers Karl. In der einen Hand hält ereine Weltkugel, in der andern das kaiserliche Zepter. In derKlosterkirche steht neben dem Hauptaltar ein anderes Bild desKaisers in Stein gehauen. Gs stellt ihn in Lebensgröße darund trägt eine lateinische Inschrift, die auf deutsch lautet:„Der erhabene Karl der Große hat dieses Kloster gegründetim Jahre 80s." Seit uralten Zeiten feiern deshalb die Kloster-frauen zu Münster zu seinen Lhren ein Fest.
Warum aber hat Karl im Münstertal ein Kloster ge-gründet? Darüber ist nirgends etwas ausgeschrieben worden.Man weiß es deshalb nicht genau. Die einen erzählen, derKaiser sei aus einer Reise aus Italien nach Deutschland mitseiner Gemahlin Hildegard aus dem Umbrail in einen fürch-terlichen Schneesturm geraten. In dieser Not haben er unddie Kaiserin geschworen, wenn sie gesund und unverletzt überden wilden paß kommen, in der ersten wohnlicheren Gegendein Kloster und der heiligen Jungfrau Maria eine Kirche zuerrichten. Als sie nun vom Umbrail glücklich ins Tal her-untergestiegen seien, habe der Kaiser den Grund gelegt zumKloster in Münster und die Kaiserin zu der Kirche in St. Maria.
Andere sagen, es sei allerdings wahrscheinlich, daß derKaiser einmal in diese Gegend gekommen sei. Da sah er, daßder Umbrailpaß ein wichtiger Verkehrsweg sei für den Handelzwischen Italien und Deutschland. Auch erhielt er Kenntnisvon den Bergwerken am Gfenpaß. Um diese auszubeuten,trachtete er, Leute ins Münstertal zu bringen. <Ls geschah da-durch, daß er ein Kloster gründete; denn um die Klöster herumsiedelten sich gern Leute an. Die Ankömmlinge arbeiteten viel-leicht aus den Gütern des Klosters. Oder sie erarbeiteten sichaus unangebautem Wald- und Weideland eigenen Grund undBoden. So wurde das abgelegene Tal bevölkert. Jetzt konnteman auch sicherer über den Umbrail nach Italien reisen. Un-