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man anmerkt, daß es aus einem gottesfürchtigen Herzen ge-kommen ist. Es wird noch heute viel gesungen und beginntmit den Worten:
„Mitten wir im Leben sindvon deni Tod umfangen.
Hülfe können wir alleinBei dem Herrn erlangen."
Obwohl schon mehr als tausend Jahre verflossen sind, seit-dem Notker das Lied gedichtet hat, ist es so neu und so wahr,wie wenn es gestern entstanden wäre.
Merkwürdig ist aber auch, wie Notker dazu gekommen ist,dieses Lied zu versassen. Ost sah man ihn in stiller, ernsterBetrachtung im Freien herumwandeln. Lines Tages ging erin die Schlucht des Martinstobels. Da sah er, wie Arbeitereben die ersten gefährlichen Anstalten machten, eine Brückeüber diese Schlucht zu schlagen. Über dem tiefen Abgrundarbeiteten die Zimmerleute auf schwachen dünnen Balken, tiefunter ihnen das rauschende Wasser. Line falsche Bewegung,und sie stürzten hinab in den sicheren Tod. Dieser Anblick be-wegte Notker tief. Lr sah darin ein Sinnbild des mensch-«lichen Lebens, wo Leib und Seele beständig von Todesgefah-ren umgeben sind. Und diesen Gedanken hat er ausgesprochen -in dem Lied, das er lateinisch gedichtet hat, und das dannnachher ins Deutsche übersetzt worden ist.
Berühmte St. Galler Mönche waren außer Notker auchNatbert und Tutilo. Ratbert machte sich bekannt durch seineGesänge zu Lhren mehrerer Heiligen, besonders aber dadurch,daß er die Geschichte seines Klosters schrieb. Tutilo war invielen Künsten sehr erfahren. Lr spielte die Geige, die Laute, dieHarfe. Lr war ein Sternkundiger, ein Dichter und Redner. Lrpflegte die Malerei und die Kunst, allerlei Figuren aufLlfen-bein einzugraben. Dabei besaß er außerordentliche Leibes-stärke und großen Mut. Als einst auf einer Reise zwei seinerGefährten durch Straßenräuber vom Pferde gerissen wurden,griff sie Tutilo mit einem Knüttel in der Hand an, entrißihnen die Schilde und jagte sie in die Flucht.