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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen, sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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es nachher, wie du willst!" Harpagus, der Vertraute des Königs, wollteaber nicht der Mörder des Kindes werden. Er gab das Knäblein darumeinem Rinderhirten des Astyages, daß er es in der Wüste aussetze. Auchdieser schenkte ihm das Leben. Cyrus wuchs also unter den Hirten auf.

Da wählten ihn seine Kameraden eines Tages beim Spiele zumKönige. Dieser stellte alle an, die einen zum Häuserbau, die andern alsseine Lanzenträger; einen auch als Auge des Königs, d. h. als Späher,und wieder einem andern gab er das Amt, die Botschaften herein zubringen; kurz, jedem trug er eine Verrichtung auf. Nun war einer, derdas Knabenspiel mitmachte, der Sohn eines vornehmen Meders. Diesergehorchte dem Auftrage nicht, der ihm gegeben worden war. Was thatCyrus? Sofort besaht er, den Widerspenstigen mit Peitschenhieben zuzüchtigen. Darauf wurde Cyrus beim König verklagt und vor ihn ge-laden, um sich zu verantworten. Der König erkannte den Knaben. Dochdie Wahrsager erklärten, daß durch dieses Knabenspiel der verhängnisvolleTraum bereits in Erfüllung gegangen sei. Astyages begnadigte darumden Enkel und sprach zu ihm:Wisse, mein Kind, ich habe dir wegeneines Traumzeichens Unrecht gethan; dein eigen Glück aber ist es, daßdu noch lebst. So gehab' dich nun wohl und geh' ins Perserland; dortfindest du deinen Vater und deine Mutter." Cyrus aber blieb auchvor seinen rechten Eltern dankbar gegen den Rinderhirten und wuchs imPerserland heran als der mannhafteste und mutigste unter seinen Alters-genossen, und er hatte großes Ansehen.

Cyrus wird König. Als daher Astyages den Harpagus und andereGroße seines Reiches weiter hart und ungerecht behandelte, wandten sichdiese an Cyrus und luden ihn ein, die Herrschaft an sich zu ziehen. Cyrusreizte die Perser zum Aufstand. Harpagus, der die Weder befehligte, gingzu ihm über. Astyages wurde entthront und Cyrus König an seiner Statt.

Krösus. Einer der reichsten Könige jener Zeit war Krösus, derBeherrscher der Lydier. Seine Hauptstadt war Sardes. Hier hatte erGold in Menge aufgehäuft. Eines Tages erlaubte er einem Griechen,soviel Gold zum Geschenke zu nehmen, als er auf seinem eigenen Leibe ausSardes heraustragen könne. Der Grieche zog ein großes, weites Kleid anund die allerweitesten Stiefel, die er finden konnte. Da fand er gleicheinen Haufen Goldsand und stopfte sich soviel Gold um die Wadeu, alsseine Stiefel faßten. Darauf füllte er das Kleid mit Gold. Endlichstreute er sich noch die Barthaare voller Goldsand; noch anderes steckte erin den Mund. So ging er aus der Schatzkammer heraus, fast nicht im-stande, seine Stiefel zu schleppen, und allem eher, als einem Menschenähnlich, den Mund aufgedunsen und überall aufgeschwollen. Bei diesemAnblick kam den Krösus das Lachen an. Er ließ ihm alles Gold undschenkte ihm obendrein noch einmal soviel.

Krösus und Solo». Ein anderes Mal besuchte ihn Solon vonAthen. Krösus, stolz auf sein Glück, zeigte ihm alle seine Reichtümerund Schätze und sprach zu ihm:Gastfreund von Athen, wer mag wohlvon allen, die du sahest, der glücklichste sein?" Krösus glaubte, daß erihn für den glücklichsten halten werde. Solon aber antwortete ernst undohne zu schmeicheln:Ich sehe deinen Reichtum, o Krösus, und daß duKönig bist über viele Leute; aber das, wonach du mich fragst, sage ich