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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen, sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Rechte sollten den Pflichten möglichst entsprechen. Wer mehrals 500 Scheffel Getreide oder' eine entsprechende Menge Ölerntete, zahlte Steuer vom zwölffachen, wer mehr als300 Scheffel hatte, vom fünffachen Einkommen u. s. w.Im Kriegsfalle rüstete der Bürger der ersten Klaffe einSchiff aus, jener der zweiten diente als Ritter, derjenigeder dritten als Schwerbewaffneter; die übrigen waren Leicht-bewaffnete. Entsprechend konnten auch nur die Angehörigender oberen Klaffen als Beamte gewählt werden; stimm-berechtigt dagegen war jeder Bürger.

4. Die Behörden. An der Spitze des Staates standenin Athen neun Arch anten. Diesen fiel ungefähr dieselbeAufgabe zu, wie den Geronten in Sparta. Ihnen half derRat der Vierhundert. Das Gericht wurde nach dem Örte,wo es tagte, Areopag genannt. Den letzten Entscheid inwichtigen Angelegenheiten hatte die Volksversammlung.

5. Die Erziehung. Die größte Sorgfalt wurde, wie inSparta, so auch in Athen, auf die Erziehung der Jugendverwendet. Doch legten die Athener mehr Wert auf dieBildung des Geistes und des Herzens, als auf die Übungder Körperkräfte.

Die Knaben besuchten vom 7. bis zum 16. Altersjahre täglichdie Grammatik-, Musik- und Turuschuleu. Da lernten sie lesen,schreiben und rechnen, hörten erzählen von ihren Göttern und Helden,übten sich im Saitenspiele und sangen Vaterlandslieder. Die Jünglingebesuchten eine Art Gymnasien, d. h. öffentliche Turnplätze für Erwachsene.Da wurde der Athener durch Laufen, Ringen, Werfen, Schwimmen undHandhabung der Waffen für den Kriegsdienst vorbereitet. WirklicherSoldat und vollberechtigter Bürger wurde derselbe mit dem zwanzigstenAltersjahre. Dabei schwur er:Nicht werde ich meine Waffen entehren,oder meinen Kameraden verlassen, bei dem ich stehe; auch werde ichkämpfen für Altar und Herd, sowohl allein, als mit vielen. Nie werdeich meine Vaterstadt verraten. Ich werde der Obrigkeit gehorchen unddie bestehenden Gesetze befolgen. Wenn jemand die Satzungen aufhebtoder ihnen nicht gehorcht, so will ich das nicht dulden; ich werde ihr Be-schützer sein, sowohl allein als mit allen. Auch will ich die väterlichenHeiligtümer ehren. Als Zeugen rufe ich die Götter an." Die im KriegeGefallenen begrub man auf einem öffentlichen Platze mit großer Ehre.Die Kinder derselben wurden von der Stadt angenommen, erzogen undausgesteuert.

Am meisten verpönt war in Athen der Müßiggang. Wer keineigenes Grundstück hatte oder kein Gewerbe betrieb, fand jederzeit Arbeitim Dienste der Stadt; ja, er wurde von dieser geradezu zur Arbeit undzur Beschäftigung gezwungen. Gegen den Fremden zeigte sich Athen gastlich.