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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen, sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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6. Die Zeit nach Solon. Leider zerstörte der Partei-geist wieder, was Sokon geschaffen hatte. An die Stelle derArchonten trat ein Tyrann. Der erste Tyrann war Pisi-stratus; ihm folgten seine beiden Söhne Hipparch undH i p p i a s. Aus den Alleinherrschern aber wurden baldwieder Tyrannen im schlimmen Sinne des Wortes, d. h.grausame und Verfolgungssüchtige Gewaltherrscher.

Später mußte Athen sogar durch ein eigenes Gesetz sichgegen den Ehrgeiz einzelner Bürger schützen. Es war diesder Ostracismus oder das Scherbengericht. Dasselbe wurdevon Kleisthenes eingeführt. Nach diesem Gesetze hattejeder Bürger das Recht, jährlich auf die Schale oder Scherbeeiner Meermuschel den Namen desjenigen zu schreiben, derihm durch sein Ansehen für die Freiheit des Volkes gefährlichzu werden schien. Hatte auf diese Weise ein Bürger 6000Stimmen Wider sich, so mußte er auf zehn Jahre das Vater-land meiden.

3. Die Werferkriege.

(493-480.)

Die Veranlassung. Cyrus, der König der Perser, hatte,wie wir gehört, Kleinasien erobert. Ihm folgte in der Re-gierung Darms, unter dessen Herrschaft die griechischen Ko-lonien in Kleinasien hart bedrückt wurden. So kam es zueinem Aufstande derselben unter der Anführung von Milet.Athen leistete Hülfe. Der Aufstand mißlang. Darms, vollZorn über die Griechen, beschloß, an Athen furchtbare Rachezu nehmen. Dreimal rückten zu dem Zwecke persische Heeregegen das kleine Griechenland vor.

Die griechischen Besitzungen an der Westküste Kleinasiensverdienten ob der Milde des Klimas, der Fruchtbarkeit des Bodens, derSchönheit der Statur weitaus den Vorzug vor dem eigentlichen Griechen-land. Herodot sagt:Diese Jonier haben unter allen Menschen, vondenen wir wissen, gerade da ihre Städte gegründet, wo der Himmel unddie Jahreszeiten am schönsten sino. Denn weder die Lande oberhalb Jonienthun es ihm gleich, noch die unterhalb, weder die gegen Morgen, noch diegegen Abend. Die einen sind der Kälte und Nüsse, die andern derHitze und Dürre unterworfen. Die Berge Kleinasiens erstrecken sich bisnahe an die Küste und senden befruchtende Ströme dem Meere zu. DieEbenen an der Küste bringen die herrlichsten Früchte des Südens hervor,Trauben, Feigen, Granaten. Die reine und gesunde Luft gibt alle Um-